Zeitung Heute : Nachrichten

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vollziehen, ob es Komplikationen gab oder die Operation reibungslos verlief. Das kann zum Beispiel dann wichtig werden, wenn ein Patient wegen eines Kunstfehlers klagt.

Susewind beginnt, sich mit der Operationsschere durch Fettgewebe und Bindegewebe hindurch zu jener Arterie vorzuarbeiten, die die Gallenblase mit Blut versorgt. Er nennt das: Strukturen freipräparieren. Eine Feinarbeit. Man bekommt eine Vorstellung davon, warum Chirurgen, die minimal-invasiv operieren wollen, sich Jahre speziell fortbilden müssen. Immer wieder wechselt der Arzt die Instrumente. Sobald ein Tropfen Blut zu sehen ist, zieht er die Schere aus der Sonde und schiebt stattdessen eine Zange hinein, durch deren Enden Strom fließt. Sie verödet das Blutgefäß. Susewind klemmt den Gallengang, die Verbindung zwischen Gallenblase und Hauptgallengang, mit zwei Clips ab. Sie sollen verhindern, dass Gallenflüssigkeit in den Bauchraum gelangt und dort Entzündungen verursacht. Zuletzt fischt der Arzt mit einem Plastikbeutel die abgetrennte Galle durch eines der Löcher aus dem Bauch. In ein paar Stunden wird Billerbeck aufstehen. Er wird noch schlapp sein. Eine Woche später geht er ins Theater, macht Bootsfahrten. Er nimmt noch leichte Schmerzmittel, langes Sitzen empfindet er als unangenehm und beim Schlafen zieht die Narbe noch. Sonst, sagt er, gehe es ihm gut. Es gab schon Tagliatelle mit Sahnesoße. Er hat langsam gegessen, die Schmerzen sind ausgeblieben.

* Name des Patienten geändert

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