Zeitung Heute : Nachrichten

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„Es ging auch gar nicht anders“, sagt Martina Myrow. In der ersten Woche nach der Operation ist sie gerade von ihrem Bett bis zur Toilette gekommen. Danach war sie jedesmal fix und fertig. An manchen Tagen hat sie es kaum aus dem Bett geschafft.

Zwei Wochen später sieht das schon etwas anders aus. Die erste Woche Reha in einer Brandenburger Spezialklinik. Von morgens acht bis mittags hat sie Programm in einer Gruppe: Wandern, Wassertreten, Fahrradfahren auf dem Ergometer. Sie macht eine fächernde Handbewegung aus dem Gelenk heraus, die bedeuten soll: Das alles hat es in sich.

Ein warmer Sonntagnachmittag, die Sonne scheint, Martina Myrow sitzt unter den hohen Bäumen vor der Reha-Klinik auf einer der Bänke. Die Vögel zwitschern. Berlin und der gewohnte Alltag, die Arbeit, das alles ist weit weg in diesem Moment. Die Bedingungen, unter denen man die ersten Schritte in ein neues Leben geht, könnten schlechter sein.

Sie will ihr Leben etwas umkrempeln. „Ich muss lernen, ruhiger zu werden“, sagt sie. Dazu gehört auch, dass sie versuchen will, etwas weniger zu arbeiten. Sie hat schon mit ihrer Chefin gesprochen deswegen, die war einverstanden. „Ich weiß, dass ich Glück habe. Bei der Lage auf dem Arbeitsmarkt ist das ja nicht selbstverständlich“, sagt Martina Myrow. Sie streicht mit der Hand über die Stelle, an dem der Schrittmacher sitzt. Sie sagt, sie könne ihn fühlen.

Sie ist zierlich, Menschen mit viel Fettgewebe spüren ihre Schrittmacher eher nicht. Der Gedanke sei ihr noch fremd, dass sie etwas Künstliches in sich trage, sagt sie einmal. „So nah am Herzen. Und was, wenn das Ding plötzlich nicht mehr funktioniert?“ Ein paar Wochen später denkt sie immer seltener daran.

Was bleibt, ist etwas anderes. Ein Rest Angst davor, alleine auf die Straße zu gehen. Sie weiß, es sollte nicht mehr passieren. Die Ärzte haben sie beschwichtigt.

Und trotzdem. Jeder weitere Anfall, das hat sich eingebrannt, könnte der letzte sein.

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