Zeitung Heute : Nachrichten

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Auf Anhieb würde ich immer sagen, dass es freundlich ist, einen anderen, und sei er auch ein völlig Fremder, vor Fehlern zu bewahren. Es kommt aber wohl ein bisschen auf die Situation an. Manchen Menschen ist es peinlich, wenn sie sich vor anderen bloßgestellt fühlen. Andere geben vielleicht extra eine falsche Wegbeschreibung durch, weil sie den Gesprächspartner bewusst verpassen wollen. Insofern würde ich mich in ein laufendes Gespräch auch nicht einmischen.

Wenn aber das Telefonat beendet ist, und es eine diskrete Möglichkeit gibt, den anderen anzusprechen, dann sollte man es ruhig wagen, aber bitte nicht zu triumphierend. „Entschuldigen Sie, ich konnte gerade nicht anders, als mitzuhören, dass Sie glauben, das Kaufhaus am Sowiesoplatz habe bis 22 Uhr geöffnet. Soweit ich weiß, machen die aber schon um 20 Uhr zu. Das wollte ich nur loswerden, damit Sie nicht enttäuscht sind, wenn Sie zu spät kommen.“ Das gibt dem unbekannten Gegenüber Gelegenheit, sein Gesicht zu wahren. Er kann sich höflich bedanken, und wenn er sich wirklich einfach nur geirrt hat, sein Handy sofort wieder in Gang setzen. Und wenn er eben doch ein anderes Motiv hatte, die falsche Information weiterzugeben, kann er unverbindlich lächeln und offen lassen, ob er das korrigieren will oder nicht.

Wenn Sie Zeuge sind, wie jemand live eine falsche Info übermittelt, muss Ihr Feingefühl entscheiden. Rechnen Sie aber immer damit, dass Situationen weniger offensichtlich sind, als Sie denken.

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