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Kerstin Heidecke

Von Kerstin Heidecke

Sie war schon um 1900 angesagt, wenn Berliner eine Landpartie machten – die Alte Fischerhütte im Grunewald. Das historische Gasthaus mit seinem großen Biergarten liegt direkt am Schlachtensee. Mit schönerer Aussicht lässt sich in Berlin wohl auch heute noch kaum ein Kaltgetränk genießen.

Am Eingang empfängt Besucher eine Tafel mit „Grüß Gott“ und „Bitte die Hunde an die Leine nehmen“. Trotzdem beschwert sich niemand, dass die betagten Dackel und Pudel der älteren Besucher frei zwischen den Stiefmütterchen- und Rhododendron-Pflanzkübeln des Biergartens spazieren. Entspannt sitzt man auf Holzstühlen bei König-Pilsner und Alster, freut sich am frischen Spargel oder stärkt sich beim Flammkuchen. Die überschaubare Anzahl von Kleinkindern kann sich indes auf dem Spielplatz vergnügen. Neben Restaurant und Biergarten gibt’s auch eine Weinhandlung, so kann man sich überdies für die heimische Terrasse versorgen.

Bunt gemischt ist das Publikum in Luises Biergarten in Dahlem – dank der benachbarten Freien Universität. Studenten und Professoren treffen sich nach Seminar und Vorlesung im Garten vor der alten Villa gern bei „Luisebaguette“ oder Pizza und Radler oder Erdbeerbowle.

Wer morgens nichts Essbares zuhause fand, bekommt in der Luise das preiswerte Bafög-Frühstück: zwei Croissants mit Honig, Marmelade und Butter – nicht gerade gesund, aber energiereich. Auch einen großen Spielplatz gibt es unter den alten Bäumen des Biergartens – und einen kleinen Eisstand. Wenn es am späten Nachmittag so richtig voll ist, muss man allerdings mitunter etwas länger aufs Essen warten.

Lorettas Biergarten ist eine Berliner Institution. So hat der Berliner es schließlich gern. Vorn schippern Segelboote über den Wannsee, hinten rauscht die S-Bahn – fast frei nach Tucholsky – „Ja das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichsstraße.“

Auf zwei Ebenen können sich Durstige und Hungrige hier im Biergarten niederlassen und den Ausblick auf den Wannsee genießen. Bahn und Straßenverkehr der angrenzenden Potsdamer Chaussee stören im Loretta wohl niemanden, der sich unter alten Bäumen bei frisch gegrilltem Kotelett, Scholle oder Matjesfilet und Johannisbeerwein oder Berliner Weiße erholt.

Und in Berlins Biergärten ist man offenbar kinderfreundlich: Auch im Loretta gibt es einen gut besuchten Spielplatz. Gleich gegenüber kann man an der Dampferanlegestelle zu einer Fahrt über den Wannsee starten. Das Publikum ist mehrheitlich in den besten Jahren. So wie sich auch das Loretta „als Klassiker“ versteht.

Wer es stressfrei und schattig mag, ist im Sommergarten des Waldhauses an der Onkel-Tom-Straße gut aufgehoben. Schon von weitem sieht man die schöne Villa mit dem Türmchen. Bunt bepflanzt ist der Eingang in den waldreichen Garten. Historische Straßenlaternen und ein schnörkeliges „Unter den Linden“-Schild erinnern daran, dass wir noch in Berlin sind.

Auf der Karte stehen allerlei Leckereien: gebratener Spargel auf Rucola mit Himbeervinaigrette, Wiener Schnitzel. Gegen den Durst: Hefeweizen, Berliner Weiße und Malztrunk. Auf blau-weiß gestreiften Kissen sitzt man bequem. Wahrscheinlich streben auch deshalb die beiden Damen mit ihren Rollatoren dem Garten zu, aber auch ein paar Mittdreißiger schlendern aus der nahe gelegenen Volkshochschule mit Spanischbüchern unter dem Arm Richtung Waldhaus.

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