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André Görke

Von André Görke

Der schönste Biergarten des Bezirks, ach was: der Stadt!, hat so seine eigene Geschichte zu erzählen. Im Untergeschoss des „Schleusenkrug“ hockten in den 50er Jahren die DDR-Genossen, die sich streng um die Wasserstraßen kümmerten, während oben drüber die West-Berliner in der Nachkriegszeit ihr Bierchen tranken.

Mehr als 50 Jahre später hat sich der Biergarten im Tiergarten einen feinen Ruf in der gesamten Stadt erarbeitet. Der Sommergarten ist renoviert, die Salate sind groß, dazu gibt’s Veltins – der halbe Liter für 3,50 Euro – oder kleine pikante Lamm-Rinderwürstchen, „Merguez“ genannt, für 3 Euro. Was das Flair an lauen Sommerabenden aber ausmacht, sind die Geräusche: Oben die dahinrollenden Fernzüge, nebenan das Kreischen der Vögel im Zoo und unten das Plätschern der Dampfer, die sich durch die alte Schleuse des Landwehrkanals schieben. Zu Wasser und zu Lande heißt’s: „Prost!“

Weiter geht’s im Bezirk, am besten auf dem Fahrrad, den Landwehrkanal entlang – rüber ins „Café am Neuen See“ (okay, das liegt in Schöneberg, aber wer stoppt schon exakt an der Bezirksgrenze). Hacker Pschorr für 3,40 Euro, dazu vielleicht eine Salami-Peperoni-Pizza, die allerdings mit 7,60 Euro etwas teuer ist für einen Sonntagsausflug. Verliebte können sich ein Paddelboot mieten (Stunde für zehn Euro).

Alle anderen fahren am Wasser entlang, gen Nordwesten, zu einem kleinen Geheimtipp: Das „Caprivi“ an der Sömmeringstraße. Versteckt neben der Autobrücke und alten Industrieanlagen befindet sich der Biergarten direkt an der Spree. Der Laden ist einfach, aber dafür bekommt man für 3,20 Euro auch ein kaltes Kristall in die Hand. Nebenan wartet das Schloss Charlottenburg auf einen Besuch und auch die Dampferanlegestellen – wer weiterrollen will: Bitte, dann geht’s gen Süden.

Am Lietzensee befindet sich eine bessere Bretterbude, die für einen Neubau abgerissen werden soll, aber nicht nur im Kiez einer der beliebtesten Biergärten ist: Das „Café am Lietzensee“. Viel Luxus sollte nicht erwartet werden. Das Kristall kostet 3 Euro, und meistens gibt es auch einen Platz direkt am See. Alleine sitzt man nie lange, es wird mit alten Kiez-Damen getratscht („Um die Ecke wohnt der Frank Zander“) und mit Touristen („Eure Stadt ist ja sooo grün“).

Genug der Plauderei, nach einem Nickerchen auf der Wiese nebenan muss man sich entscheiden – gen Westen oder Osten. Fährt man Richtung Teufelsberg (gen Westen also), dann ist das alte Wasserwerk am Teufelssee ein netter Treffpunkt. Im „Naturschutzzentrum Ökowerk“ gibt’s Vollkornpizza, leckere Säfte und das Zwitschern der Vögel gratis dazu. Allerdings: Es hat nur am Wochenende auf, meist von 12 bis 18 Uhr.

Von daher ist der Weg gen Osten vom Lietzensee aus auch nicht verkehrt, allerdings kommt es auf die Zusammensetzung der Biergartentruppe an: Herrenrunden zieht es seit Jahrzehnten ins „Loretta“ an der Lietzenburger. Dort gibt es ein Klettergerüst für die Kleinen und viele Zapfhähne für die Großen (0,5 Liter Weizen für 3,50 Euro). Prima ist auch der Maiskolben mit Butter (2,30 Euro). Wer allerdings keine Lust auf Geschunkel hat, weil ab und an Touristenbusse halten, dem sei das Parkcafé am Preußenpark empfohlen: Dort sitzt man unter großen Bäumen, kann lecker vom Vitello Tonnato oder vom Toscana Teller naschen (9 Euro). Auch schön: der Biergarten des „Quasimodo“, Kant- Ecke Fasanenstraße – mit wunderbarem Blick: Drüben das gläserne Kant-Dreieck, daneben das toll beleuchtete Kino Delphi und das Theater des Westens nebenan.

Und wer dann noch immer nicht genug hat, dem sei der Bahnhof Zoo empfohlen. Dort halten zwar keine ICE mehr, aber reichlich U-Bahnen, S-Bahnen und Busse, denn: Das Fahrrad sollte man spätestens jetzt stehen lassen.

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