Zeitung Heute : Nachrichtenagentur als Sprachrohr für den Heilsbringer

Herbert Winkler

Der koreanische Sektenführer Sun Myung Moon ist der neue Besitzer der amerikanischen Nachrichtenagentur UPI. Damit ist das mehrmals totgesagte, traditionsreiche Unternehmen wieder einmal dem Konkurs entkommen. Die Rettung kommt diesmal von der News World Communications Inc. des Reverend Sun Myung Moon und seiner durch Massentaufen und Massenhochzeiten bekannten Unification Church. Die Agentur soll ihre journalistische Unabhängigkeit bewahren, versichern die neuen Eigner sowie der alte und neue UPI-Präsident Arnaud de Borchgrave.

Beobachter sagen, wirtschaftliche Erfolgsaussichten seien kaum der Grund für den Kauf. Moon werde mit der Agentur ebenso wenig Geld verdienen wie die letzten Besitzer, eine saudi-arabische Firmengruppe. Der inzwischen auf einen Internet-Anbieter geschrumpfte, einst stolze "Wire Service" öffnet den Medienfirmen Moons aber die Tür zum elektronischen Markt.

Bei der einst glanzvollen Agentur begannen etliche berühmte Journalisten ihre Karriere. Als Präsident John F. Kennedy 1963 in Dallas ermordet wurde, war es ein UPI-Reporter, der die Nachricht als erster auf den Draht gab. Doch seit 1982 taumelte UPI immer wieder dem Untergang entgegen - nur, um stets auf wunderbare Weise gerettet zu werden. Dabei wurde UPI aber immer kleiner. Den Wettbewerb mit der dominierenden US-Agentur Associated Press (AP) hatte sie da längst verloren.

Ein Konkursrichter gab schließlich 1992 den Saudis den Zuschlag für UPI. Den Radiodienst verkauften sie sieben Jahre später an die AP. Heute beschäftigt UPI noch 157 Mitarbeiter, einst waren es rund 6000.

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