Nachterstedt : Behörden nach Erdrutsch völlig ratlos

Die Einsatzkräfte haben die Suche nach den drei Menschen eingestellt, die nach dem Erdrutsch am Samstag im sachsen-anhaltinischen Nachterstedt vermisst werden. Selbst Pioniere der Bundeswehr konnten aufgrund der gefährlichen Lage im Ort mit ihrem Einsatzgerät nicht helfen.

Mathias Kasuptke[Nachterstedt]

Die Suche nach den drei Menschen, die nach dem Erdrutsch am Samstag im sachsen-anhaltinischen Nachterstedt vermisst werden, ist am Montag eingestellt worden. Es gebe keine Überlebenschancen mehr und keine Möglichkeit, die Opfer zu bergen. Bei Untersuchungen mit Wärmebildkameras waren keine Lebenszeichen gefunden worden.

Selbst Pioniere der Bundeswehr haben am Montag aufgrund der gefährlichen Lage vor Ort mit ihrem Einsatzgerät nicht helfen können. „Nachfluss von Geröll, Strudel im Wasser und eine hohe Wassersättigung des Bodens machen einen Einsatz von Tauchern oder Bergungsgeräten unmöglich“, erklärte Oberst Friedmann Wolf. Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich erschüttert und meinte, es gebe „keine plausible Erklärung für dieses Unglück“. „Die Bergbauwelt und auch die Bergbauwissenschaft ist nicht mehr die gleiche wie vor dem Unglück von Nachterstedt“, erklärte Haseloff.

Der Wirtschaftsminister stellte alle laufenden Projekte zur Tagebaurenaturierung in Frage. „Wir können nicht so tun, als könne alles öffentlich oder touristisch genutzt werden“, so Reiner Haseloff. Er kündigte eine gemeinsame Vorgehensweise mit seinen Amtskollegen in allen betroffenen Bundesländern an. Außerdem werde das Land Sachsen-Anhalt die Wissenschaft über die Landesgrenzen hinaus auffordern, bei diesem Thema zusammenzuarbeiten. Der Concordia-See bei Nachterstedt wird für die Öffentlichkeit komplett gesperrt. „Bevor dieses Rätsel nicht gelöst ist, ist die Entwicklung als Touristengebiet zweitrangig“, so Haseloff.

Die drei vermissten Menschen im Alter von 48, 50 und 51 Jahren waren am Samstag vermutlich schlafend mit ihrem Doppelhaus in den Bergbausee in die Tiefe gerissen worden. Das Gebiet wurde daraufhin zur Katastrophenregion erklärt. Haseloff stellte klar, dass die Anwohner des Ortes entschädigt werden. Am Freitag soll in Nachterstedt eine Trauerfeier stattfinden. Nach Aussage von Landrat Ulrich Gerstner werden die Vermissten nach dem Verschollenengesetz erst nach einem Jahr für tot erklärt.

Weitere Fachleute hatten am Montag bei einer Begehung neue Risse im Gelände entdeckt. „Es ist nicht auszuschließen, dass es zu weiteren Abbrüchen kommt“, erklärte Uwe Steinhuber, Sprecher der Lausitzer-Mitteldeutschen Bergverwaltungsgesellschaft (LMBV). Das Unternehmen ist für die Flutung des Tagebausees zuständig. Das Gelände wird von Hubschraubern aus überwacht.

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