Nachtflugverbot : Die Lufthansa schimpft, andere wittern ihre Chance

Frustration und Hoffnungen: Als am stärksten betroffene Fluggesellschaft ist die Lufthansa über die Bestätigung des Nachtflugverbots stark empört. Kleinere Flughäfen hingegen hoffen, von dem Urteil zu profitieren.

Dass Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz nicht erfreut ist über das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, ist nicht verwunderlich. Das Verbot von Nachtflügen trifft vor allem seinen Konzern, der hier sein größtes Drehkreuz hat. Ein nicht unerheblicher Teil der Güter, die Lufthansa Cargo mit eigenen Frachtflugzeugen zwischen Frankfurt und insbesondere Nordamerika und Asien transportiert, wird im Gepäckraum der Passagiermaschinen befördert. Jeweils etwa die Hälfte des Jahresvolumens von 1,9 Millionen Tonnen (2011) wird in Frankfurt umgeladen oder komplett in Passagierflugzeugen geflogen. Weil die Verzahnung von Passagier- und Frachtflugzeugen „unverzichtbare Grundlage für die Leistungs-, Wettbewerbs- und Zukunftssicherheit“ des Unternehmens sei, sei ein Wechsel zu einem anderen Flugplatz „undenkbar“, sagte Lufthansa-Cargo-Vorstandschef Karl Ulrich Garnadt. Optimale Lieferketten könnten dabei nur bei nächtlichen Starts gewährleistet werden.

Für reine Frachtflüge haben sich nach dem Leipziger Richterspruch prompt zwei andere deutsche Flughäfen ins Gespräch gebracht: In Leipzig/Halle sind Frachtflüge ausdrücklich vom Nachtflugverbot ausgenommen. Seit 2008 befindet sich hier das Drehkreuz der Post-Tochter DHL sowie die Heimatbasis der Frachtfluggesellschaft Aero Logic. Mit 760 000 Tonnen Jahresvolumen ist Leipzig/Halle bereits der zweitgrößte deutsche Frachtflughafen (Frankfurt: 2,2 Millionen). Den Logistikdienstleistern stehe hier eine vollwertige Alternative zur Verfügung, erklärte der Vorstandschef des Netzwerkes Logistik Leipzig-Halle, Toralf Weiße. Am 115 Kilometer vom Frankfurter Rhein-Main-Airport entfernten Flughafen Frankfurt-Hahn wickeln bereits Gesellschaften wie Aeroflot (Russland) und Etihad (Abu Dhabi) ihr Frachtgeschäft ab. Noch gebe es in Hahn, wo ein Betrieb rund um die Uhr möglich ist, Kapazitäten, sagte Geschäftsführer Jörg Schumacher.

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