Zeitung Heute : Nachwuchs fürs Beet

Die verschiedenen Aussaatzeiten haben einen Sinn

Helga Panten

Ungeduldige Pflanzenfreunde beginnen bereits im Januar mit der Aussaat. Die beste Zeit, um Neues für die kommende Saison sprießen zu lassen, erstreckt sich jedoch von Februar bis April. Die verschiedenen Aussaatzeiten haben einen Sinn: Die Samen brauchen unterschiedlich lange, um zu keimen, und sie entwickeln sich in unterschiedlichem Tempo. Damit ihre Blüte im Frühsommer einigermaßen gleichzeitig startet, sollte also nacheinander ausgesät werden.

Vergnügen ist das Motiv, das Menschen zum Aussäen bringt. Es macht einfach Spaß, zu beobachten, wie aus den oft abenteuerlich geformten Samen winzige Pflänzchen sprießen. Hinzu kommt die Neugier, ob und was wohl aus den selbst geernteten Pelargoniensamen, dem im Urlaub gesammelten Samen vom Oleander oder den glatten Kernen der wohlschmeckenden Wollmispel wird. Aussäen wird aber oft auch zum Muss, wenn die gewünschte Pflanze auf dem Markt nicht erhältlich ist. Besondere Sorten wie dunkelviolette Feuersalvien sind im Handel als Pflanzen nicht immer verfügbar – als Samen aber schon.

Zu den ganz frühen Vertretern, die in Töpfen und Aussaatschalen landen, gehören Leberbalsam (Ageratum), Löwenmäulchen (Antirrhinum) und Petunien. Schon ab Januar dürfen sie ausgesät werden, aber auch im Februar ist noch genügend Zeit für sie. Warm stellen heißt es bei ihnen, wie bei vielen anderen Sommerblühern auch.

Wohnzimmertemperaturen von 18 bis 22 Grad Celsius sollten es sein, dann klappt es zügig mit dem Keimen. Nach sechs bis zwölf Tagen haben sich die zarten Leberbalsam- und Petunienpflänzchen ans Tageslicht geschoben. Die Löwenmäulchen brauchen mit zehn bis 14 Tagen nur wenig länger. Licht und gleichmäßige Wärme lassen sie kräftig werden. Auf keinen Fall dürfen sie austrocknen. Doch zu viel Nässe fördert den Pilzbefall.

Sind die Pflänzchen kräftig genug und zeigen über den Keimblättern bereits die ersten richtigen Blätter, ist es Zeit, zu pikieren. Oft wird auch „vereinzeln“ dazu gesagt, was nicht falsch ist. Das gilt, wenn sie dicht nebeneinander gesät wurden. Dann dient das Pikieren auch dem Vereinzeln. Aber eben nicht nur.

Beim Pikieren werden gleichzeitig die Wurzeln ein wenig eingekürzt. Das zwingt sie dazu, sich zu verzweigen. Mehr Feinwurzeln entstehen, als die Pflanze von sich aus bilden würde. So kann sie mehr Nährstoffe und Feuchtigkeit aufnehmen und wird deutlich kräftiger als nicht pikierte Exemplare. Auch wer die Samenkörner bereits einzeln und mit Abstand in die Erde gelegt hat, sollte sie daher der Prozedur des Pikierens unterziehen.

Rare Sämlinge werden natürlich alle pikiert – notfalls im zeitlichen Abstand, wenn sich nicht alle gleichmäßig entwickeln. Aber fast immer sprießt viel zu viel in der Aussaatkiste. Dann gilt es gezielt das herauszusuchen, was bereits am kräftigsten ist.

Die Pflänzchen sollten straffe Stiele, kräftig grüne Blätter und zügiges Wachstum zeigen. Sämlinge, die hinter den anderen zurückgeblieben sind, nur erst die Keimblättchen tragen oder kaum Wurzeln gebildet haben, wandern auf den Kompost. Nach dem Pikieren wollen die Pflanzen kühler stehen. Rund 15 Grad Celsius sind dann ausreichend. Außerdem brauchen sie jetzt viel Licht, Sonne und Luft, damit sie kräftig und kompakt wachsen.

Auf die ganz frühen Arten folgt im Februar und März die große Fülle der Sommerblumen wie Gazanien, Lobelien, Ziertabak, Studentenblumen und Fleißige Lieschen. Ab Ende März darf sogar schon draußen im Garten gesät werden. Für Regionen, in denen der Winter lange dauert, gilt das natürlich nicht. Dort müssen auch die robusten Pflanzen warten, bis der April mit seinem unbeständigen Wetter sich einigermaßen stabilisiert hat. Zusammen mit Ringelblumen, Duftwicken, Kapkörbchen, Fuchsschwanz und der schönen Clarkie werden sie dann direkt ins Sommerblumenbeet ausgesät. dpa

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