Zeitung Heute : Nachwuchs unter Segeln

Der Weg zum Wassersport führt traditionell über Vereine – doch auch Private bieten Kurse für Einsteiger

Stefan Gerhard

Charlotte und Sophie, Schülerinnen der 10. Klasse des John-Lennon-Gymnasiums in Mitte, haben es geschafft: Sie dürfen offiziell mit dem Segelboot aufs Wasser. Der Sportbootführerschein Binnen ist für das Segeln und Surfen auf Berliner Revieren für annähernd jedes Boot oberhalb der Optiklasse noch immer vorgeschrieben.

Der traditionelle Weg zum Wassersport führt bis heute über die Vereine. Die Theorie wird im Winter gebüffelt, im Frühjahr geht es dann, meist sehr kostengünstig, für den Nachwuchs auf die Seen und Flüsse. Beim Berliner Seglerverband (Tel. 30 83 99 08) kann man erfragen, welche Clubs ausbilden.

Ergänzend dazu haben sich auch kommerzielle Wassersportschulen etabliert, wo Kinder und Jugendliche das Segeln, Surfen und ab 16 Jahren auch das Motorbootfahren erlernen können. Sportschulen sind, besonders im ersten Jahr, zwar teurer als die Mitgliedschaft in einem Club, dafür erfolgt die Ausbildung zeitlich in deutlich kompakterer Form. Schließlich haben Segellehrer an Wassersportschulen andere Voraussetzungen, was deren persönliches Zeitbudget betrifft, als ein ehrenamtlich arbeitender Trainer.

Der einheitliche Grundschein der Wassersportschulen ist dagegen fast überall nützlich, wenn man ein Boot oder ein Surfboard ausleihen möchte – also bei jenen typischen Gelegenheiten im Urlaub am See oder an der See, wenn Jugendliche spontan das Bedürfnis verspüren, aufs Wasser gehen zu wollen. Der Standardsatz lautet: „Ist ja doch cool, so zu surfen.“ Oder in der Jolle zu segeln.

Die Ausbildung zum Jollengrundschein umfasst, je nach Vorkenntnissen, rund 15 bis 20 Unterrichtsstunden – Theorie und Praxis zusammengenommen, heißt es beim Verband Deutscher Wassersportschulen. Die Schüler sollen bei Wind bis drei Beaufort (schwache Brise, Anfänge der Schaumbildung) Stärke ablegen, im Übungsgebiet sicher segeln und wieder sicher am Ausgangspunkt anlegen können. Nach einer Woche Unterricht sind die meisten bereit für die praktische Prüfung und den sehr überschaubaren Theorieprüfbogen.

Wer die Osterferien mit dem Segeln lernen verbinden möchte, findet beispielsweise mit Sail & Surf Pollensa (www.surfsail.de) im Norden Mallorcas eine Wassersportschule mit deutschsprachigen Lehrern, die allen Altersgruppen beim Einstieg hilft. Für Jugendliche besonders interessant sind die Hyfly-Surfboards, Laser Picos und Galeon-Jollen. Die gutmütige dickbauchige Galeon mit Platz für zwei bis sechs Personen entstand in der Frühzeit der Schule aus der Not heraus: Um die anfangs bescheidene Flotte schnell aufzustocken, entwickelte man selbst eine Übungsjolle und ließ sie bei einer mallorquinischen Werft bauen. Beim Probekurs in den Sommerferien reichte eine Woche zum Grundschein.

Segel setzen und bergen, Knoten, An- und Ablegen, Warteposition, Geschwindigkeitskontrolle, Stoppen durch Aufschießen und Beidrehen, Steuern und Segeln der verschiedenen Kurse mit richtiger Segelstellung, Aufkreuzen nach Luv sowie zwei Wenden und Halsen gehören zum Programm, das bei der praktischen Prüfung gekonnt werden muss. Bei der Theorieprüfung sind Materialkunde, ein wenig Gesetzeskunde, Segeltheorie und Sicherheit die wichtigsten Themen.

Doch um richtig segeln zu lernen, muss man nicht unbedingt bis zum Mittelmeer reisen. Olympiasieger Jochen Schümann, der als Sportchef des Schweizer Alinghi-Teams 2002 und 2007 den America’s Cup gewann, lernte auf dem Müggelsee segeln. Und nicht nur er, auch Reiner Schmidt war dort unterwegs. 1975 probierte Schmidt hier sein erstes, selbst gebautes Surfbrett aus, 1980 eröffnete er seine Wassersportschule. Da es Surfen nach offizieller Sprachregelung in der DDR nicht gab, blieb Schmidt bis 1989 „Verleiher für Stehbrettsegler“.

Heute bietet seine Segelschule am Fürstenwalder Damm (Tel. 030-648 15 80) wie viele andere das komplette Ausbildungsprogramm für Segler, Surfer und Motorbootfahrer an. Mit zahlreichen Topcat-Kats liegt hier die größte Katamaran-Basis Berlins am Ufer. Die beiden Schülerinnen Charlotte und Sophie segelten hier auf Jollen zum Sportbootführerschein. Binnen vier Wochen von geringer Vorkenntnis bis zum Segelschein, inklusive Prüfungsbüffelei. Aber das sind junge Menschen ja gewohnt.

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