Zeitung Heute : Nacktheit: Was unserer Haut gut tut

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"Englische Krankheit" nannte man die Rachitis, die zu Beginn der Industrialisierung vor allem Kinder befiel, die in lichtlosen Hinterhöfen aufwuchsen. Gegen die Knochenerweichung infolge einer Stoffwechselstörung half vor allem eines: Sonne. Deren Strahlen aktivieren in der Haut die Vitamin-D-Produktion. Und glücklicher wird man dabei auch: UV-Strahlen auf der Haut regen die Produktion des Glückshormons Endorphin an.

Leider verbrennt kurzwellige UV-B-Strahlung auch die Oberhaut. Die langwelligen UV-A-Strahlen dringen gar noch tiefer in die Unterhaut ein und führen dort zum Absterben von Zellen der Körperabwehr. Zu viel UV-Bestrahlung gilt als Krebsauslöser.

Lebt der nackte Sonnenanbeter also riskant, aber glücklich? Riskant auf jeden Fall, denn mehr als 50 Sonnenbäder im Jahr sind nach Auffassung des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht zu empfehlen. Und für den täglichen Vitamin-D-Bedarf reichen 15 Minuten Sonne auf Gesicht, Hände und Unterarme völlig aus.

Bleibt ein Phänomen, das der Staufer-Kaiser Friedrich II in einem grausamen Experiment vor über 800 Jahren untersuchen ließ: Einige Kleinkinder sollten keinerlei körperliche Zuwendung mehr bekommen. Angeblich überlebte keines den Entzug. Tatsächlich belegen neuere Studien an der Universitätsklinik Köln, dass intensiver Hautkontakt bei Säuglingen Atmung und Herzschlag beruhigt. Und am schwedischen Karolinska-Institut stellte man im Tierversuch fest, dass Streicheln zu einer vermehrten Produktion des Glückshormons Oxytocin führt. Die Studie am Menschen steht noch aus, wohltuende Massagewirkung ist aber unumstritten. Und ebenso, dass die bloße Haut dafür empfänglicher ist als die verhüllte.

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