Zeitung Heute : Nächtlicher Besuch bei Botschafter Borer?

Der Tagesspiegel

Sie trug hohe Absätze, und ihr Mantel wehte im Wind. Es war Nacht und die Berliner Kosmetikberaterin mit dem Schweizer Botschafter Thomas Borer in seiner Botschaft. Eine Stunde und 47 Minuten lang. Das jedenfalls behauptet die Schweizer Illustrierte „Sonntagsblick“, die zu Spekulationen einlädt, weshalb großer Wirbel entstand, Dementis verbreitet wurden und Anwälte Wochenendarbeit leisteten. „Borer und die nackte Frau“ heißt die aktuelle Titelgeschichte des „Sonntagsblick“. Darin wird, mit vielen Details geschmückt, über einen nächtlichen Frauenbesuch beim Botschafter in Berlin berichtet. Der Vorfall soll sich in der Nacht auf den 21. März zugetragen haben und von den Videoüberwachungskameras des benachbarten Kanzleramtes festgehalten worden sein. „Wir wissen nicht, was zwischen 0.47 Uhr und 2.34 Uhr in der Schweizer Botschaft passiert ist“, schreibt der „Sonntagsblick“. Das wüssten nur die zwei allein. Wohl aber wisse man, wer die Frau sei: 34 Jahre, ein Sohn, von dessen angeblich vorbestraftem Vater getrennt. Auch Aktfotos existierten, für die sie 750 Mark erhalten haben soll. Zum Zweck ihres Botschaftsbesuchs zitiert der „Sonntagsblick“ die Frau: „Es liegt ja auf der Hand. Aber vielleicht haben wir auch nur eine Tangostunde genossen.“ Inzwischen lässt die Frau durch Hamburger Anwälte mitteilen, sie werde falsch zitiert, die Geschichte gebe einen „unrichtigen Sachverhalt“ wider.

So kommentiert man auch in der Schweizer Botschaft. „An der Geschichte ist nichts Wahres dran", sagte Thomas Borer der Nachrichtenagentur AP. Er habe weder in jener noch in einer anderen Nacht Frauen- oder Männerbesuch erhalten. Das Bundeskanzleramt habe ihm versichert, dass es weder „ Fotos noch Videoaufnahmen“ gebe, die zeigten, dass die Frau vor der Tür der Botschaft in seinen Dienst-Mercedes stieg und beide darin in der Tiefgarage verschwanden. Borers Frau Shawne Borer-Fielding sprach von infamen Lügen. Sie stehe voll hinter ihrem Ehemann, sagte sie der AP. Sie würden nun rechtliche Schritte gegen den „Sonntagsblick" prüfen. Chefredakteur Mathias Nolte hält derweil an der Darstellung fest und findet das Dementi „schon komisch“. Um das partyfreudige Botschafterpaar hatte es wiederholt Aufregung gegeben. Vielleicht deshalb verlangt auch der Schweizer Bundesrat Joseph Deiss Auskunft zum angeblichen Vorfall. ari

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