Zeitung Heute : Nahöstlicher Propagandakrieg

Der Tagesspiegel

Die Meldungen klangen dramatisch, die Reaktionen auch. Die israelische Armee habe die Geburtskirche in Bethlehem gestürmt, um dort verschanzte palästinensische Terroristen anzugreifen. Der evangelische Auslandsbischof Rolf Koppe sprach angesichts einer möglichen Bedrohung der christlichen Heiligen Stätten durch die Israelis von einem „Tabubruch ersten Ranges“. Vorsicht, möchte man Koppe raten. Denn es gab auch andere Meldungen. Etwa die, dass die Palästinenser aus der Kirche heraus Mönche des benachbarten Franziskanerklosters als Geiseln und menschliche Schutzschilder genommen hätten. Für ein Eindringen der Israelis in die Kirche gibt es bis zur Stunde keine Bestätigung, sondern ein klares Dementi der israelischen Armee. Wenn es hier einen Tabubruch gab, dann ist er mit dem Eindringen der Palästinenser in die Geburtskirche geschehen. Man kann davon ausgehen, dass dies bewusst geschah, um die Israelis ihrerseits zu einem Eindringen zu provozieren. Die Heiligen Stätten werden für sehr unheilige Ziele missbraucht. Die Israelis stehen zu Recht wegen ihres Vorgehens in den Palästinensergebieten in der Kritik. Aber die Kirchen müssen aufpassen, dass sie nicht auf Tricks in einem Propagandakrieg hereinfallen. apz

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