Namensrecht : Hallo, Waldmeister

Das Namensrecht erlaubt einiges, doch es gibt Grenzen. Findige Eltern ziehen alle Register.

Alena Hecker
Welcher wird’s? Als ob die Wahl des Vornamens nicht schon schwer genug wäre, versuchen manche Eltern auch noch, einen zweiten Familiennamen "einzuschmuggeln".
Welcher wird’s? Als ob die Wahl des Vornamens nicht schon schwer genug wäre, versuchen manche Eltern auch noch, einen zweiten...Foto: Mascha Brichta/p.a.-dpa

VORNAMEN

Cinderella-Melodie, Schaklyn und der kleine Despot - diese Kinder tragen Namen, die ihre Eltern für sie ausgesucht haben. Laut Gesetzgeber gehört das zur elterlichen Sorge: Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2008 (AZ: 1 BvR 576/07) dürfen Eltern über den Vornamen ihres Kindes grundsätzlich frei entscheiden. "Bei manchen Namen fragen wir die Eltern schon, ob sie sich im Klaren sind, was ihr Kind in der Schule erleiden wird", sagt Sandra Sander vom Standesamt Berlin-Charlottenburg.Im Ernstfall können Standesämter Namen ablehnen, wenn sie die Gefahr sehen, dass das Kind der Lächerlichkeit preisgegeben wird - so geschehen bei einem Paar, das für den Sohn den Vornamen T. M. Waldmeister wünschte. Das zuständige Standesamt in Bremen lehnte mit der Begründung ab, Waldmeister sei eine Pflanze und werde leicht mit Getränken und Speisen in Verbindung gebracht. Das Oberlandesgericht Bremen folgte dem: Der Name begründe die Gefahr, das Kind bei der Entfaltung seiner Persönlichkeit zu beeinträchtigen (AZ: 1 W 19/14).

NACHNAMEN

Auch beim Nachnamen fällt Eltern die Wahl oft schwer. Paare mit unterschiedlichen Nachnamen müssen sich bei ihrem Kind für einen der beiden entscheiden - Doppelnamen können Kinder in Deutschland seit 1993 nicht mehr tragen. Manche Eltern versuchen die gesetzlichen Regelungen zu umgehen, indem sie einen der Nachnamen als zweiten oder dritten Vornamen "einschmuggeln". Erfolg hatte damit zum Beispiel ein Paar, das seiner Tochter den Familiennamen "Bock" des Vaters als dritten Vornamen geben wollte. Zwar lehnte das Standesamt ab, doch das Oberlandesgericht Frankfurt entschied: Das geht! Schließlich sei es nur ein dritter Vorname und kein Rufname (AZ: 20 W 284/10).

PFLEGEELTERN

Lebt ein Kind seit seiner Geburt dauerhaft in einer Pflegefamilie, darf es den Familiennamen der Pflegeeltern annehmen. Im konkreten Fall begründete das Oberlandesgericht Köln seine Entscheidung damit, dass die Namensänderung im Interesse des Kindes liege und dessen Wohl diene. Die leibliche Mutter und der Sohn hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen, eine Rückkehr war nicht zu erwarten (AZ: 10 UF 189/12).Informationen zum deutschen Namensrecht gibt es zum Beispiel unter familien-wegweiser.de, einer Seite des Bundesfamilienministeriums. Dort kann man sich auch zum Namensrecht bei Adoption sowie bei Scheidung und Wiederheirat schlau machen.

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