Namensstreit II : Wider den Bindestrich

Helmut Schümann
Helmut Schümann HP mit Kontur

Der Bindestrich heißt Bindestrich, weil er verbindet. Den Frank mit dem Walter zum Beispiel, der heißt dann Frank-Walter. Auch Nachnamen werden verbunden durch den Bindestrich, etwa bei der schon einmal aufgetauchten Zahnärztin aus Nideggen, die Frau Doktor Ellis Braun-Knoblauch, oder bei dem ebenfalls nicht mehr ganz unbekannten Gynäkologen Doktor Rodolfo Bogesits-Aufschneider aus Bergheim. Für den theoretischen Fall, dass die beiden zueinander fänden und sich ehelichen wollten, hieße die Frau Doktor aber nicht Ellis Braun-Knobloch-Bogesits-Aufschneider. Das ist dem Gesetzgeber dann doch ein wenig viel Verbindung. Bislang zumindest, derzeit prüft das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das Verbot von Dreifach- und Mehrfachnamen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries von der SPD ist gegen eine Aufhebung des Verbotes, mit der etwas schlappen Begründung, man wolle die Verbindung von Namensketten vermeiden. Die CSU ist diesbezüglich nicht so pingelig, wie man, mit oder ohne Wilhelm, an der Vornamenskette des neuen Wirtschaftsministers von und zu Guttenberg ablesen kann. Dem fehlen allerdings nahezu alle verbindlichen Striche. Gegen Namensketten ohne Bindestrich hat sich Frau Zypries nicht ausgesprochen.

Ganz früher, also bis ins 16. Jahrhundert hinein, war alles viel einfacher, da gab es keine Nachnamen, da hieß man Frank oder Walter oder Franz und sonst nichts. Aber es gab Dopplungen, weil plötzlich ein zweiter Franz auftauchte und man den Menschen zur Unterscheidung den Beruf an den Namen anhing oder eine Eigenschaft, ein Merkmal oder sonst irgendetwas. Und dann hieß der erste Franz zum Beispiel Franz Müntefering, und der Frank hieß plötzlich Frank-Walter mit Bindestrich.

Die Einlassungen von Frau Zypries wider den Bindestrich korrelieren zeitlich wunderbar mit den Äußerungen eben jenes Franz Müntefering zu Frank-Walter, Steinmeier nämlich. Dem Spitzenkandidaten und amtierenden Außenminister ist der Walter abhanden gekommen. Hillary Clinton hat ihn mit „Fränk“ angesprochen, SPD-Generalsekretär Hubertus Heil spricht nur noch von Frank Steinmeier und Franz Müntefering auch. Der schwärmt geradezu von der Verkürzung und sagte, dass Frank noch schöner sei als Frank-Walter und liegt damit auf einer Linie mit Frau Zypries. Man muss sich fragen, was diese Ablehnung des Bindestrichs durch die SPD soll. Offensichtlich fühlen sie sich seit Fränks Auftritt in Obamas Land wieder so stark, dass sie keine Koalitions-Verbindung brauchen.Helmut Schümann

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