Zeitung Heute : Napster: Die MP3 Tauschbörse unterliegt vor US-Gericht -Vorläufige Schließung angeordnet

Im Kampf gegen die illegale Verbreitung von Musik im Internet hat die Musikindustrie einen Erfolg verbuchen können: US-Bundesrichterin Marilyn Hall Patel ordnete am Mittwoch wegen Urheberrechtsverletzungen in großem Maßstab die vorläufige Schließung des Angebots der Firma Napster an. Über die Rechner von Napster können Internet-Nutzer ihre Musikdaten tauschen, was vor allem bei amerikanischen Schülern und Studenten äußerst beliebt ist. Das Unternehmen kündigte Berufung an.

Patel erklärte zur Begründung, bis Jahresende würden voraussichtlich 70 Millionen Menschen das Online-Angebot des Unternehmens nutzen. Dies sei ein Rechtsverstoß in großem Umfang. Auch sei zu vermuten, dass die Firma den laufenden Prozess verlieren werde. Die Schließung soll laut Patel am Freitag um Mitternacht (Sonnabend 6 Uhr MESZ) in Kraft treten, wenn die US-Musikindustrie eine Bürgschaft über fünf Milliarden Dollar (umgerechent 10,4 Milliarden Mark) hinterlegt hat. Damit sollen finanzielle Verluste von Napster ausgeglichen werden, falls der Prozess zu Gunsten des Online-Anbieters ausgeht.

Der Verband der US-Musikindustrie (RIAA) hatte das kalifornische Unternehmen Napster im vergangenen Dezember verklagt und ihm vorgeworfen, einen illegalen und ausufernden Online-Basar zu betreiben. Der Verband bezifferte seine Verluste auf über 300 Millionen Dollar (rund 625 Millionen Mark). Napster argumentierte dagegen, das US-Bundesrecht schütze das persönliche Kopieren von Musik. Zudem sei der ganze Fall genau so zu sehen wie der Fall Sony Betamax. Damals hatte die Filmindustrie versucht, die aufkommenden Videokassetten zu unterdrücken. Die Industrie verlor diesen Rechtsstreit. Nach Ansicht von Richterin Patel erfüllt Napster aber nicht dieselben Kriterien.

Nach Ansicht von Juristen geht es bei dem Fall Napster um etwas viel Grundsätzlicheres, nämlich den Urheberrechtsschutz im Internet im Allgemeinen. Napster sei mit seinen Rechnern nur ein leichtes Ziel gewesen, erklärte der Anwalt Larry Iser. Ob ein Verbot von Napster etwas ändert, ist fraglich. Denn inzwischen steht die Technik, die Napster bereitstellt, damit Nutzer ihre Musikdateien tauschen, schon in Form von Freier Software im Internet zu Verfügung.

Die Einstellung von Napster dürfte überdies nur dazu führen, dass andere Dienste wie Gnutella, die ohne zentraler Server auskommen, nun verstärkt genutzt werden.

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