Zeitung Heute : Naranjito, der kleine Apfelsini

Wir präsentieren die WM-Maskottchen von einst und heute. Diesmal: die Südfrucht, die niemand liebte. Sie steht für eines der schlechtesten Turniere der Geschichte, die WM 1982 in Spanien.

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Lange war man der Meinung, Obst und Gemüse eigneten sich nicht als Symbole. Und wenn man sie doch als solche benutzte, schwang stets etwas Despektierliches mit: Bananenrepublik, Gurkentruppe, Rübenacker. Doch plötzlich wurde das Obst neu entdeckt: Die Organisatoren der WM 1982 in Spanien träumten von einer Südfrucht als Maskottchen. Wochenlang castete man in den Plantagen Andalusiens und fand endlich die schönste Apfelsine der Welt: „Naranjito“. Auf Deutsch etwa: „Apfelsini“. Ein Gesicht, Hände und Füße hatte der runde Kerl wundersamerweise schon. Dann zog man ihm ein Trikot und Schuhe an, fertig war das erste Fruchtmaskottchen. Tassen, Shirts und Plüsch nahmen seine Gestalt an, die Identifikation mit „Naranjito“ blieb dennoch gering. Das hätte man wissen können: Obst möchte man im Allgemeinen essen. Aber „Naranjito“ war nicht einmal essbar, stand nur debil grinsend an der Außenlinie oder zeigte Tänze, die man von Orangen nicht sehen möchte. Unangenehm wie vieles bei dieser WM: der Skandal von Gijon, die Renaissance der Treter, die vielen torlosen Unentschieden. War „Naranjito“ schuld? Trotzdem machten auch die Mexikaner 1986 eine Pflanze zum WM-Maskottchen: „Pique“, den Kaktus. Erst die Italiener kehrten 1990 wieder von dieser Idee ab. Besser wurde es nicht. Doch dazu später.

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