Zeitung Heute : Nase vorn

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Alle Jahre wieder das gleiche Spiel. Wenn die Tage kürzer werden und der Herbst naht, die mehr bange als frohgemute Feststellung: Eigentlich hatte ich ja lange keinen mehr. Wer das denkt, hat meistens schon verloren. Denn dann beginnt bald dieses Kribbeln in der Nase, dieses Kratzen im Hals und dieses Gefühl, als lebe man unter einer Taucherglocke. Der Schnupfen ist da. Die Nase läuft, der Schädel brummt, die Glieder schmerzen. An die 200 verschiedene Schnupfenviren sind bekannt. Eine konzertierte Aktion gegen unsere Schleimhäute.

Was nur kann man tun, um der Plage zu entgehen? Es ist die Zeit der Hausrezepte. Jeder hat eines parat. Kräuterextrakt, Vitaminpillen, homöopathische Tropfen, ein morgendlicher Waldlauf, kalte Güsse ...

Alles nicht schlecht. Nur: dass die diversen Mittel und Mittelchen wirken, dafür gibt es leider keinen Beweis. Positiv ausgedrückt: Quälen Sie sich nicht mit heißer Zitrone oder anderen Grässlichkeiten, Sie werden sowieso nicht allzu viel tun können. Denn es ist ziemlich sicher, dass es auch in der nächsten Erkältungs-Saison wieder viele von uns erwischen wird, die meisten sogar mehrfach. Die Vielfalt der Erreger macht es dem Immunsystem praktisch unmöglich, uns dauerhaft zu schützen. Irgendwann ist man dran. Einmal, mehrmals. Jedes Jahr schlagen Schnupfenviren bei uns etwa 300 Millionen Mal zu.

Es gibt nur einen halbwegs sicheren Rat: Halten Sie sich von Triefnasen fern! Waschen Sie sich die Hände! Fassen Sie sich mit den Händen nicht an die Nase oder die Augen, denn auf diese Weise kommen die Viren genau dorthin, wo sie hinwollen. Das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten der USA geht noch einen Schritt weiter und rät zur Oberflächendesinfektion. Denn Rhinoviren – sie sind die wichtigsten Schnupfenerreger – halten sich außerhalb der Nase immerhin an die drei Stunden. Diese Lebensspanne kann man verkürzen, sagen die hygienebesessenen Amis.

Aber da ist noch eine – gute! – Nachricht (dies ist eine positive Kolumne): Je älter wir werden, umso weniger können uns die Schnupfenmikroben anhaben. Kinder haben nicht selten eine Erkältung pro Monat, Menschen jenseits der 60 weniger als eine – im Jahr. Und noch etwas ist schön: das Gefühl, wenn der Schnupfen vorbeigeht und die Nase wieder frei wird.

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