• Nato zieht Mitarbeiter in Kabul aus Ministerien ab Nach Tod von zwei US-Beratern Afghanen attackieren UN-Gebäude in Kundus

Zeitung Heute : Nato zieht Mitarbeiter in Kabul aus Ministerien ab Nach Tod von zwei US-Beratern Afghanen attackieren UN-Gebäude in Kundus

In Aufruhr. Landesweit gab es in Afghanistan auch am Sonnabend Demonstrationen gegen die USA, so wie hier in der Provinz Kundus. Mehrere Menschen starben. Foto: Reuters
In Aufruhr. Landesweit gab es in Afghanistan auch am Sonnabend Demonstrationen gegen die USA, so wie hier in der Provinz Kundus....Foto: REUTERS

Kundus - Bei einem Angriff wütender Demonstranten auf ein UN-Gebäude im nordafghanischen Kundus sind am fünften Tag der Proteste gegen Koranverbrennungen mindestens vier Menschen getötet worden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden am Samstag zudem mehr als 50 Menschen verletzt. Bei einer Schießerei in der Kommando- und Kontrollzentrale des Innenministeriums in Kabul wurden am Sonnabend zwei US-Berater getötet. Die Nato erklärte, bei den Toten handele es sich um Isaf-Angehörige. Die Hintergründe der Tat waren unklar, laut Fernsehberichten ging den Schüssen ein „Wortwechsel“ voraus. Als Konsequenz zieht die westliche Militärallianz sämtliche Mitarbeiter aus afghanischen Ministerien ab. Zu ihrem Schutz habe er das Isaf-Personal aus den Ministerien zurückgerufen, erklärte Isaf-Kommandeur John Allen am Samstag.

In Kundus versuchte die wütende Menge, ein Gebäude der UN-Mission in Afghanistan (Unama) zu stürmen, wie ein Polizeisprecher sagte. Polizisten schossen in die Menge, um die Demonstranten zu vertreiben. Nach Angaben eines Sprechers der Bundeswehr, in deren Verantwortungsbereich Kundus liegt, gelang es einigen Demonstranten, auf das Gelände des Gebäudekomplexes vorzudringen. Sie seien aber von afghanischen Polizisten zurückgedrängt worden.

Nach Angaben von Augenzeugen hatten die Demonstranten zunächst Steine auf die Polizisten geworfen. Diese schossen daraufhin erst in die Luft und dann auf die Demonstranten. Der Leiter der Gesundheitsbehörden in Kundus, Sahad Mochtar, sagte, aus den Krankenhäusern gebe es Berichte über vier Tote und 56 Verletzte. Dichte Rauchwolken erhoben sich über die Stadt, als Demonstranten Autoreifen in Brand setzten. Eine UN-Sprecherin bestätigte den Angriff auf das Unama-Gebäude. Wie viele UN-Mitarbeiter sich in dem Gebäude aufhielten, wollte sie nicht sagen. Oberhalb der Stadt liegt das Feldlager Kundus, in dem derzeit rund 1300 Bundeswehrsoldaten und 1000 weitere Isaf-Soldaten aus anderen Staaten stationiert sind. Deutsche Soldaten seien nicht nach Kundus ausgerückt, sagte der Bundeswehrsprecher. Im April 2011 hatten wütende Demonstranten bei Protesten gegen eine Koranverbrennung in den USA ein UN-Büro in Masar-i-Scharif und dabei drei europäische UN-Mitarbeiter und vier nepalesische Wachleute getötet.

In Afghanistan gibt es seit Dienstag gewaltsame Protestdemonstrationen, nachdem bekannt geworden war, dass US-Soldaten auf dem Stützpunkt Bagram Koranexemplare verbrannt hatten. Eine Entschuldigung von US-Präsident Barack Obama konnte die Gewalt nicht eindämmen. Am Donnerstag hatte die Bundeswehr ihren Stützpunkt in der Stadt Talokan wegen der Proteste vorzeitig geräumt. AFP/mis

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