Zeitung Heute : Natürlicher Tarif Alternative Energien

können nicht alles ersetzen

-

Man braucht die Kernkraft nicht zu lieben, um einschätzen zu können, wie schwer es wird, sie in den kommenden Jahrzehnten zu ersetzen. Knapp 30 Prozent des bundesdeutschen Stromverbrauchs wird aus ihr gedeckt. Spitzenreiter sind die Verbrennungskraftwerke, deren Anteil an der Produktion gut 60 Prozent ausmacht. Die Natur hingegen ist – allen Rekordrufen beim Ausbau der Windkraft zum Trotz – immer noch weit abgeschlagen.

In diesem Sommer haben die Deutschen gemerkt, dass ihr das fehlt, was sie am elektrischen Strom so schätzen gelernt haben: die Zuverlässigkeit. Die Wasserkraft, in Deutschland fast am Ende ihres Ausbaupotenzials angelangt, leidet unter versiegenden Flüssen. Wo kaum noch etwas fließt, kann nur wenig Kraft gewonnen werden. Die Windgeneratoren drehten sich oft auch nur mühsam – woher sollte bei einer dauerhaften HochdruckWetterlage der beständige Antrieb kommen. Und die Fotovoltaik? Nun, Solarzellen haben es bei wachsender Hitze immer schwerer, Strom zu gewinnen, weil mit der Temperaturerhöhung auch ihr innerer elektrischer Widerstand wächst.

Das heißt nicht, dass die herkömmlichen Kraftwerke, die ihre Energie aus den Atomkernen oder aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas gewinnen, keine Probleme gehabt hätten. Aber in Deutschland konnten sie – von einigen Ausnahmen abgesehen – zumindest gedrosselt weiterlaufen.

Mit dem wachsenden Ausbau der natürlichen Ressourcen kann die konventionelle Technik allerdings nicht im selben Maß abgebaut werden. Die Natur muss um verlässliche Regelungsreserven ergänzt werden. Insofern helfen auch Vergleiche der „installierten Leistung“ nicht: Ein Atomkraftwerk bedient die Grundlast im beständigen, gleichmäßigen Lauf über viele Monate hinweg. Das kann im Pakt mit der Natur einfach nicht so gut klappen.

Auch vor diesem Hintergrund hat Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gegenüber seinem Kollegen aus dem Umwelt-Ressort, Jürgen Trittin, einen Energiemix eingefordert, der die Interessen der Wirtschaft berücksichtigt. Bei kräftigen Steigerungen der Stromtarife droht die Abwanderung von energieintensiven Betrieben.

In all die Überlegungen wird noch eine weitere Komponente aufgenommen werden müssen: das Klima. Denn wenn solche Extremwetterlagen wie in diesem Jahr häufiger zu erwarten sind, müssen Vorkehrungen getroffen werden. So fragt sich die Stromwirtschaft schon, ob sie die Erzeugungsstrukturen überdenken soll. Bisher richteten sie sich nach den winterlichen Verbrauchsspitzen. Der Sommer spielte bisher keine Rolle, er wurde für Reparaturen genutzt. Das könnte sich ändern. gih

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben