Zeitung Heute : Natur - Preiserhöhung - Plastikarmband - Erholung

Natur. Reiseveranstalter können von Pauschaltouristen nicht über eine Reisepreisminderung für Naturereignisse verantwortlich gemacht werden (hier: für "gebleichte" Korallenriffe rund um die Malediven). Auch im Prospekt muss darauf nicht hingewiesen werden. (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 33 C 13247/99) W. B.

Preiserhöhung. Erhöht ein Reiseveranstalter nach der Buchung einer Reise die Preise um mehr als fünf Prozent des Reisepreises, so kann der Urlauber kostenlos vom Vertrag zurücktreten - es sei denn, die Preiserhöhung ist (zum Beispiel) auf steigende Beförderungskosten zurückzuführen. (Landgericht Heidelberg, Aktenzeichen: 1 O 197/97) W. B.

Plastikarmband. Teilnehmer von "All-Inclusive"-Reisen müssen offenbar damit rechnen, im Hotel zum Tragen eines nicht abnehmbaren Plastikarmbands gezwungen zu werden. Der Kölner Anwalt-Suchservice berichtet, eine solche Gästekennung habe bereits zwei deutsche Gerichte beschäftigt.

Erboste "All-Inclusive"-Reisende hätten versucht, den Armbandzwang als Reisemangel geltend zu machen. Das Zwangs-Armband, mit dem der Hotelier den begünstigten Personenkreis von anderen Urlaubern unterscheiden können soll, wurde als Stigmatisierung empfunden. Mancher fühlte sich offenbar an den "Knopf im Ohr" bei Stofftieren erinnert.

Die Richter der Landgerichte Köln und Hamburg werteten laut Anwalt-Suchservice in vor kurzem veröffentlichten Urteilen aus dem vergangenen Jahr den Armbandzwang lediglich als "geringfügige Beeinträchtigung". Die Kennzeichnung habe der Reisende hinzunehmen, da sie die reibungslose Leistungsgewährung sicher stelle.

Die Richter hätten weiter argumentiert, das Tragen eines solchen Armbands beeinträchtige weder das Schlafen noch das Waschen oder Sonnenbaden. Es sei zwar empfehlenswert, jedoch nicht unbedingt erforderlich, dass der Reiseveranstalter auf das obligatorische Tragen eines Plastikarmbands bereits im Katalog hinweise.

Landgericht Köln, Urteil vm 11. Mai 1999, Aktenzeichen: 11 S 216/98 und Landgericht Hamburg, Urteil vom 30. Juli 1999, Aktenzeichen: 313 S 40/99) ADN

Erholung. Der Reiseveranstalter schuldet seinem Kunden keine Erholung als solche, sondern nur einzelne Reiseleistungen. Leidet die Erholung durch eine Magenverstimmung infolge schlechter Hotelverpflegung, ist dadurch nicht die ganze Reise entwertet. Diese Entscheidung des Landgerichts Düsseldorf (Aktenzeichen: 22 S 334/98) ist in der Zeitschrift "ReiseRecht aktuell", herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt, nachzulesen. Demnach dürfen bei der Berechnung einer Preisminderung nur wirklich mangelbehaftete Reisetage berücksichtigt werden. Der Schadenersatzanspruch für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit gelte nicht rückwirkend.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar