Zeitung Heute : Natur-und Wanderreisen: Ferne Ziele

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Über seine beruflichen Aussichten war der Sportstudent Ingo Lies eines Tages alles andere als glücklich. Und da er sowieso gern Reisen selbst organisierte, zuvor in Neuseeland und davor in Nepal jeweils für ein halbes Jahr unterwegs war, beschloss er 1996, das Lehramt sausen zu lassen und ins Veranstaltergeschäft einzusteigen.

In Nepal und Neuseeland kannte er bereits zuverlässige Touristiker, die er als Agenturpartner für Natur-und Wanderreisen gewinnen konnte. "Natur erleben - Menschen begegnen", lautete von Beginn an das Motto seines Unternehmens "Chamäleon". Dabei spielt das wechselhafte Tier eher eine untergeordnete Rolle. Für diesen Namen entschied sich der in Charlottenburg ansässige Veranstalter, weil er glaubt, im Geschäft mit dem Fernweh mache sich eine wenig Exotik besonders gut. "Ich wollte ein Tier, dessen Namen darauf hinweist, dass es auf meinen Reisen etwas Neues zu entdecken gibt", sagt Ingo Lies.

Inzwischen sind Australien, Südafrika, Namibia, Botsuana, Tansania, Costa Rica sowie Tibet als Destinationen hinzugekommen, und Lies beschäftigt jetzt drei Mitarbeiter. Grundsätzlich wird jede erste Chamäleon-Tour in ein neues Zielgebiet vom Geschäftsführer persönlich begleitet. Drei Wochen dauerte die allererste Reise nach Nepal in die Bergwelt des Himalaja. Diese Annapurna-Tour ist derweil ein Klassiker unter den 53 Reisen, die im Katalog übersichtlich dargestellt und exakt beschrieben sind.

Der durchschnittliche "Chamäleon"-Gast bucht eine dreiwöchige Tour und gibt dafür mindestens 4500 Mark aus. Im zurückliegenden Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, zählte das Unternehmen 1100 Buchungen, so Lies. Für das laufende Geschäftsjahr rechne er mit 1500 Gästen und einem Umsatz von fünf Millionen Mark. Jetzt im Oktober seien vor allem Neuseeland und Australien sehr gefragt. Lies führt dies auf das verbesserte Tourismusmanagement der beiden Länder auf dem deutschen Markt zurück. Besonders lobt er die Zusammenarbeit mit den Fremdenverkehrsämtern Neuseelands und Namibias. Neuheiten stellten beide Ämter schnell und ausführlich dar. Und so könne er als Veranstalter diese gegebenenfalls bereits bei der nächsten Tour ins Programm aufnehmen.

Ein Drittel der Chamäleon-Gäste reisen allein, der Anteil der Stammkunden an der Gesamtgästezahl liegt bei 40 Prozent. Von der Altersstruktur her gibt es hinsichtlich der Ziele den Unterschied, dass auf Reisen nach Neuseeland, Nepal und Tansania auch die 25- bis 40-Jährigen vertreten sind, während sonst die Altersgruppe 40 bis 65 überwiegt. Aus Berlin kommt rund ein Drittel der Gäste (40 Prozent aus den westlichen und 60 Prozent aus den östlichen Bezirken). Deutliche Zuwächse außerhalb Berlins führt Lies auf seine Präsens mit einem eigenen Stand bei den Reisemessen in Hamburg, Stuttgart, Leipzig und Dresden zurück.

Im Chamäleon-Büro, das auch Reisen anderer Veranstalter vermittelt, hängt ein Foto vom Tilichosee, der in Nepals Bergen in 4919 Metern Höhe liegt. In Europa ist dieses fünf Kilometer lange Gewässer erst seit 1949 bekannt. Der Bergsteiger Maurice Herzog hat den See damals entdeckt. Die (auf dem deutschen Markt) nur von "Chamäleon" angebotene Trekking-Tour zum Tilichosee dauert 21 Tage und erreicht am 16. Tag dessen Ufer. Dazu heißt es im Katalog: "Die letzten 200 Höhenmeter sind besonders anstrengend und der Weg ist kaum zu erkennen... . auf ein wenig Kraxelei müssen Sie sich einstellen."

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