Zeitung Heute : Naturschützer als Hoteliers

Mit den Einnahmen aus dem Tourismus werden auch Reservate unterhalten

Andreas Spaeth

Der Blick aus dem Bett bei Tagesanbruch ist atemberaubend: Unterhalb der 500 Meter hoch aufragenden Felskante des Amphitheaters hängt eine Wolkenbank und verhüllt Teile dieser spektakulären Felsformation im Royal Natal National Park. Nachts hatte es kräftige Gewitter gegeben und jetzt bewirkt die goldene Morgensonne ein einmaliges Farbenspiel an der fünf Kilometer langen Felswand in den nördlichen Drakensbergen.

Nach dem Frühstück auf der kleinen Veranda – im Angesicht des Gebirges – lockt die sechsstündige Wanderung zu den Tugela-Wasserfällen, die senkrecht in die Tiefe stürzen. Andere Gäste im Thendele Camp ziehen es vor, nach einem kleinen Spaziergang einfach vor diesem atemberaubenden Panorama zu sitzen und ein Buch zu lesen. Die meisten verpflegen sich selbst und bereiten ihre Mahlzeiten in den gut ausgestatteten Küchen ihrer Bungalows, andere lassen sich einen Koch kommen, der nach ihren Wünschen aus mitgebrachten Zutaten ein Essen bereitet. Das Thendele Camp, eine der am spektakulärsten gelegenen Lodges in Südafrika, bietet Naturgenuss pur – und das zu einem Spottpreis: Ein Erwachsener zahlt nicht einmal 50 Euro pro Nacht in einem Zweibett-Chalet.

Die Drakensberge in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal sind eines der größten Naturwunder des Landes, aber international nur wenig bekannt. Vier bis fünf Autostunden dauert die Anfahrt aus Johannesburg, drei Stunden sind es von Durban. In den landschaftlich spektakulärsten Gebieten wie am Amphitheater oder dem Cathedral Peak gibt es nur wenige oder gar keine herkömmlichen Hotels, auch wegen des strengen Naturschutzes. Sehr nahe an den Naturschönheiten, nämlich direkt in verschiedenen Parks und Reservaten, liegen die Lodges von KZN Wildlife, einer nichtkommerziellen staatlichen Organisation, die sich vor allem dem Naturschutz widmet. In der gesamten Provinz KwaZulu-Natal, die neben den Drakensbergen auch noch andere Höhepunkte wie das St. Lucia-Feuchtgebiet am Indischen Ozean oder Tierreservate wie den Hluhluwe-Umfolozi-Park umfasst, betreibt KZN Wildlife über 50 verschiedene Unterkünfte vom Zeltplatz bis zur Luxuslodge. Letztere bieten auch internationalen Besuchern ungeahnten Komfort zu sehr geringen Preisen. Zum Beispiel das nagelneue Didima Camp am Fuße des fast 3000 Meter hohen Cathedral Peak in den zentralen Drakensbergen, das einem Luxus-Resort in nichts nachsteht.

Manche Gäste vergleichen die 63 reetgedeckten Chalets der Anlage wegen ihrer ungewöhnlichen Form mit dem Opernhaus in Sydney. Tatsächlich aber sind sie den Höhlen des Volkes der San nachempfunden, das hier viele prähistorische Höhlenmalereien hinterlassen hat.

Der Blick aller geschmackvoll eingerichteten Chalets ist direkt auf das Felsmassiv gerichtet. Abends heizen vor allem südafrikanische Gäste den vor jeder Einheit stehenden Grill an, was so etwas wie eine nationale Lieblingsbeschäftigung ist. Dabei gibt es ein hervorragendes Restaurant mit preisgünstigen Angeboten und das erstaunlicherweise, zumal die Übernachtung nur rund 50 Euro pro Person kostet. Marktüblich wäre leicht das Dreifache des Preises. Aber hier richtet sich das Angebot bisher vor allem an Einheimische.

„Wir verdienen unser Geld in Didima mit Konferenzen, damit subventionieren wir die Übernachtungspreise“, erklärt Dave Frandsen von KZN Wildlife. Natürlich dient Didima gleichzeitig verschiedenen guten Zwecken – die Lodge schafft Arbeitsplätze für die Landbevölkerung dieser armen Gegend, die Mitarbeiter engagieren sich im Naturschutz, pflanzten zum Beispiel ausschließlich endemische Gewächse an und klären über die Geschichte und Kultur der San-Buschmänner auf.

Durch den Tourismus erzielt KZN Wildlife ein Drittel der Einnahmen, mit denen 103 Naturreservate unterhalten werden. „Bisher waren wir vor allem im Inlandsmarkt aktiv und boten neben 2500 Betten auch 10 000 Menschen Unterkunft auf Zeltplätzen“, erklärt Dave Frandsen. Der Schwerpunkt lag auf Selbstverpflegung, doch jetzt sind neben den edleren Camps wie in den Drakensbergen oder der Hilltop Lodge im Hluhluwe-Park auch All Inclusive-Lodges für das obere Marktsegment geplant, die dann etwa 270 Euro pro Person und Nacht kosten werden.

Für ausländische Besucher sind viele Unterkünfte von KZN Wildlife nicht nur wegen ihres Preises attraktiv, sondern auch wegen der einmaligen Atmosphäre an vielen Standorten. Besonders gefragte Anlagen wie Thendele allerdings erfordern monatelange Vorausplanung, da sie meist langfristig ausgebucht sind. Neuheiten wie beispielsweise Didima sind auch kurzfristiger buchbar – am bequemsten im Internet.

Informationen: www.kznwildlife.com, Buchung per E-mail: bookings@kznwildlife.com, Tel. 0027-33-845 10 01. Allgemeine Auskünfte: www.zulu.org.za oder in Deutschland unter Telefon 029 03-413 45.

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