Zeitung Heute : Navigationshilfe durch die Stadt des Wissens

UWE SCHLICHT

"Wir ertrinken in der Informationsflut und wir hungern nach Wissen".Diese paradoxe Situation ist für Alexander Ammann die Herausforderung der Zukunft.Ammann ist Manager eines deutschen Teilprojekts in der weltweiten Gesundheitsvorsorge.Die führenden Industrienationen in der G7/G8-Gruppe haben ein Programm entwickelt, das der medizinischen Information und Vorsorge dient.Als einziges deutsches Projekt wurde die Vorlage der Quintessenzverlagsgruppe akzeptiert, und zwar für ein Lehr- und Lernprogramm in der Zahnmedizin und Kieferchirurgie.Was sich in der Zahnmedizin beim weltweiten Zugriff auf die Homepages von Wissenschaftlern, Ärzten, Universitäten, Krankenhäusern und Forschungsinstituten zeigt, führt ins Zentrum der Problematik des Ertrinkens in der Informationsflut und dem Hunger nach mehr Wissen.Um es am Beispiel eines Arztes zu demonstrieren, der in Berlin einen neue Behandlungsmethode erproben will, von der er weiß, daß sie in Japan oder den USA zu Erfolgen geführt hat: Im Internet soll dieser Arzt Zugang zu den Daten der Japaner oder Amerikaner erhalten.Daß dabei rechtliche und finanzielle Probleme zu lösen sind, sei nur am Rande vermerkt.

Das G7-Programm bietet aber auch die Vorlage für die Lösung einer regionalen Herausforderung: die Konzeption eines Wissensatlasses von Berlin.Der Atlas ist Teil des Projekts Zukunft - der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft.

Nicht nur Alexander Ammann stellt sich die Frage: "Was können wir mit Hinweisen anfangen, wenn uns die Suchmaschine 498 mögliche Treffer anzeigt? Bei einer solchen Fülle bin ich so schlau wie vorher, weil ich nicht weiß, welcher unter den 498 Hinweisen der wirkliche Treffer ist." Genau dieses Problem, wie aus den unzähligen Hinweisen im Internet möglichst schnell aufbereitetes Wissen zu gewinnen ist, ist im Prinzip auch in der Region zu lösen bei der computergerechten Erschließung der Wissenschaftsstadt Berlin für Nutzer aus dem In-und Ausland.Die Aufarbeitung eines Wissensatlasses über Berlin ist angesichts der Zusammenballung von Hochschulen, Forschungsinstituten, Krankenhäusern und Universitäten eine Notwendigkeit.Die Quintessenz-Verlagsgruppe will zusammen mit der Technischen Universität, der Telekom, der Berkom und dem Tagesspiegel diese Aufgabe bewältigen und hat einen entsprechenden Förderantrag beim Berliner Senat gestellt.

Auch beim Berliner Beispiel geht es darum, daß für die Lösung eines Problems nicht nur mehr oder minder informative Homepages auf dem Monitor erscheinen, sondern das erwünschte Wissen aufbereitet wird.Die zentrale Frage ist, wie man mit den modernen Kommunikationsmitteln eine an den Aufgaben und Problemen orientierte Recherche ermöglicht.Auch in den Vereinigten Staaten denkt man über eine bessere Wertschöpfung aus dem Internet nach.Denn eines ist klar, natürliche Rohstoffe verbrauchen sich und werden knapper, Wissen ist dagegen der einzige Rohstoff, der die Chance hat, sich ständig zu vermehren.Deswegen erwarten so viele, wenn sie an die Zukunft denken, von der Wissensgesellschaft die Lösung der Probleme.Das Internet ist international zugänglich.Darin liegt zugleich die Chance wie auch das Problem bei einer auf Wertschöpfung angelegten Erschließung.

Nicht nur die Wissenschaftler haben je nach Disziplin andere Fachsprachen - selbst in einer Disziplin unterscheidet sich mancher Fachbegriff im Verständnis noch erheblich, je nachdem, ob japanische, amerikanische, britische, deutsche oder russische Wissenschaftler eine Antwort suchen.Alexander Ammann beschreibt die Schritte, die auf dem Wege zu einer neuen Wertschöpfung getan werden müssen: Zuerst müssen die Standards in einem Thesaurus so festgelegt werden, daß sie international in den verschiedensten Sprachen nutzbar sind.Danach geht es darum, Wissenseinheiten zu definieren, die sich für die Vernetzung eignen.Es gilt dabei drei Ebenen zu verbinden: 1.Das Verfügungswissen, das in den Universitäten, Krankenhäusern und Forschungsinstituten produziert wird.2.Das Orientierungswissen, das Hilfe beim Navigieren unter den vielen Möglichkeiten und Adressen bietet.3.Das Handlungswissen, bei dem es darum geht, zum Beispiel das zugänglich gemachte Wissen eines Berliner Instituts Wissenschaftlern in den USA zur Lösung eines bestimmten Problems anzubieten.

Die vielen Homepages und und Adressen sind bisher nichts als ein Angebot."Das Internet ist zunächst einmal Nebel, nichts als Nebel".Für Alexander Amman ist es daher die größte Herausforderung, diesen Nebel zu durchstoßen."Nur über die Qualität kann ich die Quantität im Internet in den Griff bekommen", sagt er.Das in Berlin zu schaffen, ist das Ziel des projektierten Wissensatlasses.Ist er erst einmal erstellt, könnten die Berliner Leistungen problemorientiert auch international über Datenbahnen, Satellitenkommunikation und Computer zugänglich gemacht werden.Es ist auch an eine Aufarbeitung in Buchform gedacht, die als Präsent an prominente Besucher der Stadt vergeben werden könnte - zusammen mit einer CD-Rom, die alle Details und Adressen enthält.Vorbereitende Gespräche mit der Humboldt-Universität, der Technischen Universität, der Charité, der Telekom, dem Wirtschafts- und Wissenschaftssenator haben stattgefunden.Bisher sind schon 250 000 Mark in die Konzeption für einen Wissensatlas über Berlin investiert worden.

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