Zeitung Heute : Nee, näh? (Glosse)

Aus der Serie "Matthies meint"

Seit der Cebit hat die Regel Gesetzesrang: Du sollst den Namen Deiner Internetadresse nicht unnütz verwenden und tagtäglich surfen, so wahr Dir Gates helfe. Soweit können wir folgen - aber was dann? "Big Brother" kommt nicht über, die Suchmaschinen fördern nur Unfug zu Tage, und die angeblich so extrem nützlichen Preisvergleiche kosten mehr Zeit, als sie Geld sparen. Wo sind sie, die großen Sinnstifter? Boris B. könnte einer sein, aber gerade an seinem Umgang mit dem Netz der Netze sehen wir, wohin das alles führt: Aus dem einst sprachgewandten jungen Mann wurde ein Legastheniker, der "nee, näh!" stammelt, sich selbst die kryptische Mitteilung "drin" aufs Handy schickt und anschließend sogleich erschöpft ins Bett muss. Deshalb kann es eine gute oder schlechte Nachricht sein, dass jetzt der Kanzler persönlich einen Internet-Kurs gebucht und sein Kabinett zum Mitlernen verdonnert hat. Wozu nur? Möchte Schröder über sein Regierungshandeln mit den Leuten im Netz chatten? Sich online beim Duschen oder beim Aktenstudium beobachten lassen und jeden Monat die zwei dümmsten Minister zum Abschuss per Ted bereitstellen? Fürs erste hier ein Tip an den Kanzler: Zum Einstieg ins Internet genügt es nicht, am Monitor zu rütteln. Und das Passwort lautet nicht: "Ich will hier rein!"Aus der Serie "Matthies meint"

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