Zeitung Heute : Nein, natürlich nicht

Der Tagesspiegel

Nicht, dass das hier die Stelle wäre, sich in die Zuwanderungsdebatte und die verschiedenen sog. Eklats im Bundesrat einzumischen. Aber spannend war es schon - und wir fragen uns nun, was das wieder für Berlin bedeutet. Denn es war ja ein Berliner, nein: ein Tempelhofer, Klaus Wowereit, der die komplette Opposition so unvergleichlich kühl abtropfen ließ, dass wir an James Bond im Umgang mit hitzigen Schurken denken mussten. Zack! wird ein linker Leberhaken ausgependelt, Zisch! geht eine rechte Gerade ins Leere. Der Kragen sitzt immer noch akkurat, der Krawattenknoten ruht in sich wie aus Stein gemeißelt, das Lächeln, kaum merklich, tendiert ins Ironische, während die Opposition den Saal verlässt: „Wir kommen zum nächsten Punkt der Tagesordnung.“ Ähnlich kühl hat er damals seinen Rivalen Landowsky, der von der Landesbank aus die Welt beherrschen wollte, aus der Raumstation gestürzt, und als ihn gestern nach der Abstimmung jemand fragte, ob das denn mit dem Kanzler abgesprochen sei, sagte er: „Nein, natürlich nicht“, so, wie Bond auf die Frage reagieren würde, ob es auch mal ein anderer Champagner als Bollinger R.D. sein dürfe? Kein titanisches Ringen, kein Versöhnen-statt-Spalten, einfach der nächste Punkt in der Tagesordnung: Sehnse, det is Berlin, hier wird nich lange jefackelt - und wir Berliner müssen nun wieder darunter leiden. Kalt seien wir, ohne Herzenswärme, geprägt vom Killerinstinkt des Stadtoberhauptes, eine selbstständige politische Einheit womöglich? Wenn im Herbst die Stoibers kommen, wird sich das rächen: Der Regierungsumzug nach München ist faktisch beschlossene Sache.

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