Zeitung Heute : Netdays Berlin: Den Medienmachern über die Schultern schauen

Claudia Wessling

Im Medienzentrum Helliwood laufen die Vorbereitungen. "Schicken Sie uns Ihre Projektbeschreibung! Was bieten Sie eigentlich in Ihrem Internetcafé an?" Im Multimedia-Zeitalter braucht man keine Broschüren mehr, um anderen sein Projekt vorzustellen. Das im Nord-Osten Berlins gelegene Medienzentrum bietet Webrides an, in denen man anderen Usern gleich im Netz durch die Highlights des eigenen Internet-Angebots führen kann. Jugendliche sind die Hauptzielgruppe von Helliwood, nach Auskunft von Leiter Thomas Schmidt das größte Medienzentrum Berlins. Auf spielerische Weise werden hier junge Leute in die neuen Medien eingeführt, können sich in die Geheimnisse des Surfens einweisen lassen oder selber Homepages bauen.

Nicht immer benötigen die Youngster die Hilfe öffentlicher Einrichtungen. Manche werden selbst aktiv und realisieren eigene Projekte im Internet. Zum Beispiel ein Informationsportal für Jugendliche: "Inspiriert wurden wir von der Jugendnachrichtenagentur Sinnflut, die Infos speziell für Jugendliche aufbereitet", sagt Oliver Voss. Er arbeitet beim Verein Narra an einem Portal, das Jugendlichen helfen will, sich in der Infoflut zurechtzufinden. "Das Internet ist ein Medium der Meinungsäußerung und sollte auch als solches genutzt werden", sagt Voss. Die Konkurrenz anderer Angebote wie der Jugendsuchmaschine zlash.de fürchtet Voss nicht - "Wir werden etwas Eigenes entwickeln." Fertig ist das Portal www.narra.de noch nicht, aber eine Vorversion soll schon im November auf den Netdays präsentiert werden.

Zum dritten Mal finden in diesem Jahr in Berlin diese "Netztage" statt, bei denen sich kleine kommunale Projekte rund um das Internet präsentieren können. Bibliotheken, Jugendzentren, aber auch klein- und mittelständische Unternehmen der Stadt beteiligen sich mit eigenen Aktionen und Wettbewerben. Die interessierten Bürger sollen bei den Netdays den Medienmachern über die Schulter schauen, aber auch selbst mit anfassen. Das Konzept stammt aus den USA, wo einmal im Jahr Eltern, Lehrer und Schüler mit Kabeltrommeln in den Schulen anrücken, um die Rechner miteinander und mit dem Internet zu vernetzen.

Doch ist das praktische Kabelverlegen nicht alles, Lehrer und Schüler sollen auch sehen, wie sich durch die Vernetzung das Lernen selbst verändert. Dieses abstrakte Konzept griff Helen McNamara auf, als sie 1998 mit Unterstützung der Europäischen Kommission zum ersten Mal die Netdays Berlin organisierte. "Wir wollen zeigen, wie das Internet die Gesellschaft verändert", sagt McNamara, die früher Kulturfestivals veranstaltete.

Das Motto der am 18. November beginnenden Netdays lautet "Die neue Art ins Netz". Eine Anspielung darauf, wie das Netz Kunst und Kreativität fördern kann. "Es gibt für jede Zielgruppe eigene Veranstaltungen", sagt Helen McNamara. Die Hansa-Bibliothek bietet Surf-Kurse für Senioren, die Amerika-Gedenkbibliothek Anfängerkurse in E-Mail und Netz-Recherche, auch Internet-Führerscheine für Hausfrauen und Krankenschwestern stehen auf dem Programm. Wer mehr will, kann beim SMS-Gedichtwettbewerb mitmachen oder beim Jugendclub Skandal "Beats aus der Dose" am Rechner produzieren. Inzwischen interessieren sich auch größere Sponsoren für die Netdays, so bietet die Telekom Veranstaltungen, in denen die technische Seite des Webs erklärt wird.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben