Zeitung Heute : Netzwerker mit besten Verbindungen

Air Berlin schafft mit ihrem Beitritt zum Bündnis Oneworld die Voraussetzungen für den Anschluss an Märkte in Amerika und Asien

Auf dem Flughafen Son Sant Joan auf Palma de Mallorca. Die Shuttle-Flüge von Berlin-Tegel zu der Urlaubsinsel der Deutschen machten Air Berlin groß. Foto: Patrick Seeger/dpa
Auf dem Flughafen Son Sant Joan auf Palma de Mallorca. Die Shuttle-Flüge von Berlin-Tegel zu der Urlaubsinsel der Deutschen...Foto: picture-alliance / Patrick Seege

Sie passen zusammen – die Fluggesellschaft Air Berlin und der künftige Flughafen Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“. Nicht nur farblich. In beiden Unternehmen dominiert das Rot. Air Berlin ist schon heute die größte Fluggesellschaft im Berlin-Verkehr und will die Position auf dem neuen Flughafen weiter ausbauen. Auch im Langstreckenverkehr. Zuletzt wurden Flüge von Berlin nach New York ins Programm genommen – ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Drehkreuz in Berlin.

Durch das längst vorhandene Kurz- und Mittelstrecken-Netz – 70 Ziele werden bereits nonstop angeflogen – kann Air Berlin aus Europa Fluggäste nach Berlin bringen, die hier dann in die Langstrecken-Maschinen umsteigen. Beim Konkurrenten Lufthansa übernehmen die Flughäfen Frankfurt (Main) und München diese Funktion.

Die Entwicklungsmöglichkeiten für ein Drehkreuz in Berlin steigen durch den 2012 geplanten Beitritt von Air Berlin zur Oneworld-Allianz, zu der sich Fluggesellschaften zusammengeschlossen haben, darunter American Airlines und British Airways. American Airlines fliegt zum Beispiel unter einer gemeinsamen Flugnummer Passagiere, die mit der Air-Berlin-Maschine in New York angekommen sind, weiter zu anderen Zielen in den Vereinigten Staaten.

Für British Airways, die eine Patenschaft bei der Einführung des Oneworld-Programms für Air Berlin übernommen hat, hat Berlin einen besonderen Reiz vor allem für Flüge in den Nahen und Fernen Osten. Wer heute mit British Airways zu einem solchen Ziel fliegen will, muss in der Regel erst einmal nach London, wo die Langstreckenmaschinen starten. Nicht nur der Weg dahin kann lang sein; vielen Passagieren sagt auch der unübersichtliche Flughafen in Heathrow nicht zu. Mit einem Partner in Berlin lassen sich dagegen auch Fernverbindungen von Deutschlands Hauptstadt aus aufbauen. Und der neue Flughafen wirbt damit, eine Anlage der kurzen – und übersichtlichen – Wege zu sein.

Flughafenchef Rainer Schwarz lobt denn auch das Konzept: „Damit macht Air Berlin genau das, was richtig ist: die Hauptstadtregion zu einem europäischen Drehkreuz mit interkontinentalen Verbindungen ausbauen.“ Das mache Berlin selbst attraktiver und internationaler. Air Berlin stärke damit die Bedeutung der Hauptstadt als Luftfahrtstandort und sei Wegbereiter und Vorbild für weitere Fluggesellschaften.

Mit dem begonnenen Bau des Wartungshangars am neuen Flughafen habe Air Berlin den Grundstein für weiteres Wachstum und eine langjährige Zusammenarbeit mit den Berliner Flughäfen gelegt, sagt Schwarz. Dies war nicht immer so. Mehrfach standen sich beide Partner in der Vergangenheit auch vor Gericht gegenüber, wobei meist um die Höhe der Gebühren gestritten wurde. Eine Klage von Air Berlin gegen die Schließung von Tegel war gescheitert.

Air Berlin wird nun in Schönefeld einen eigenen Flügel im Terminal beziehen. Anders als bei den Billigfluglinien, die ihre Passagiere zu den Flugzeugen laufen oder mit dem Bus fahren lassen, erhält der Air-Berlin-Trakt im südlichen Pier des Terminals Fluggastbrücken – wie am Hauptterminal, in das unter anderem die Lufthansa ziehen wird. Durch den Komfort will die früher den Billigfluglinien zugeordnete Air Berlin verstärkt auch Geschäftsreisende in die Flugzeuge locken; auch auf den Langstrecken.

Die Kritik von Bürgerinitiativen, die sich dagegen wehren, den neuen Flughafen zu einem Drehkreuz zu machen, stößt weder bei den Gesellschaften noch beim Flughafen auf Verständnis. Beantragte Flüge müssen genehmigt werden, wenn die sogenannten Slots – die Zeiten für den Start oder die Landung – frei sind. Die Ziele können den Fluggesellschaften auch nicht vorgeschrieben werden. Ob sich ein Drehkreuz etabliert, zeigt die Praxis. Verordnet werden kann es nicht. Aber es lässt sich umgekehrt auch nicht verbieten – trotz der Belastung für die Anwohner.

Mit einer Drehkreuzfunktion verbunden sind auch Flüge in der Nacht, gegen die sich Anwohner ebenfalls wehren. Sie fordern ein Flugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr, wie es bisher nur für die Zeit zwischen 0 Uhr und 5 Uhr vorgesehen ist. Gegen die zugelassenen Flüge in den sogenannten Randzeiten von 22 Uhr bis 24 Uhr sowie 5 Uhr und 6 Uhr haben Anwohner Klagen eingereicht. Möglich sind nach den Vorgaben bis zu 103 Flüge in diesen Zeiträumen. Umgekehrt will Air Berlin vor Gericht erreichen, dass die Zahl der erlaubten Flüge in den Randzeiten erhöht wird.

Beim Drehkreuz setzt die Gesellschaft aber nicht nur auf Berlin. Sie baut ihr Engagement auch in Düsseldorf aus, dem nach Angaben von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold neben Berlin wichtigsten Standort in Deutschland. Rund ein Viertel der von Air Berlin geflogenen Strecken ab Düsseldorf entfallen bereits auf den Interkontinentalverkehr. Und auch Düsseldorf erwartet einen Oneworld-Effekt bei Air Berlin.

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