Zeitung Heute : Neue B1-Sendereihe über die Geschichte der Hauptstadt seit dem Beginn des Jahrhunderts

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Ab heute können die Zuschauer des SFB-Fernsehprogrammes B 1 "Berlin erleben". Das ist der Titel einer Dokumentarserie, die der Sender jeweils dienstags und donnerstags ausstrahlen wird. Jede Folge der zehnteiligen Serie beschäftigt sich mit zehn Jahren des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Berliner Stadtgeschichte. Dabei soll nicht die große Politik, sondern der kleine Mann von der Straße im Vordergrund stehen. "Nicht so sehr Titelseite, sondern Lokalteil und Feuilleton soll diese Fernsehserie sein", heißt es in einer Pressemitteilung. Über 112 Kilometer Filmmaterial haben die Redakteure gesichtet. Federführend waren dabei Autor Joachim Trenkner die Regisseure Christian Klemke und Manfred Köhler. Sie wollen die Vergangenheit heute ab 22 Uhr 15 so weit wie möglich für sich selber sprechen lassen. Sie befragten keine Zeitzeugen und griffen stattdessen auf Material aus den Archiven der DEFA, des SFB, der Chronos Film und des Deutschen Rundfunkarchivs zurück.

Herausgekommen ist ein plastisches Portrait des Stadtlebens, angereichert mit Kiezgeschichten, untermalt mit den jeweils aktuellen Gassenhauern - vom Radetzkymarsch aus Kaisers Zeiten zum melancholischen "Ich hab so Heimweh nach Berlin" aus den fünfziger Jahren, als sich die Teilung der Stadt bereits abzeichnete. Zu sehen sind Schwarz-weiß-Bilder vom "widernatürlichen Treiben" im 1907 eröffneten Strandbad Wannsee, wo Frauen ihre nackten Beine präsentierten. Wilhelm Voigt, der "Hauptmann von Köpenick", lächelt verschmitzt aus dem Jahr 1906 herüber, als er dem preußischen Strammsteh-Patriotismus einen Schlag versetzte. Die feinen Damen im "Café Kranzler" fehlen ebensowenig wie die grobschlächtigen Arbeiter in der Kiez-Destille. Aufschlussreich auch der Blick auf die geteilte Stadt: "Zwei Bürgermeister, zwei Währungen, zwei Ideologien" - das KaDeWe eröffnet 1950 als "Schaufenster des Westens" seine Pforten, am 17. Juni 1953 reimen die Ostberliner "Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille". In einer der wenigen gemeinsamen Aktionen wird 1959 die Quadriga wieder auf das Brandenburger Tor gesetzt, ohne Eisernes Kreuz im Ährenkranz.

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