Zeitung Heute : Neue Billigpreise als Reaktion auf den Wettbewerb

Telekom-Chef Ron Sommer erlaubt der Konzerntochter T-Online auch die Entkopplung von den Telefontarifen

Der heftige Preiskampf zwischen Mobilcom, mit ihrem Chef Gerhard Schmid, und der Deutschen Telekom, an deren Spitze Ron Sommer steht, geht in eine neue Runde. Diesmal haben sich die beiden Konkurrenten die Preisgestaltung auf dem Online-Markt ausgesucht. Am Montag verkündete Mobilcom, dass ihre Kunden vom 15. Oktober an für nur noch 3,3 Pfennig rund um die Uhr ins Internet kommen können. Sie zahlten zudem weder eine Grundgebühr noch eine Anschlussgebühr und müssten auch keine Vertragsbindung eingehen. Die monatliche Mindestnutzung betrage 20 Stunden, pro Verbindungsaufbau würden sechs Pfennig berechnet.

Die Deutsche Telekom Online Service GmbH (T-Online) konterte. Mit einem neuen Tarif für intensive Internetnutzer und Preissenkungen bei den übrigen Tarifen wolle seine Netzfirma eine neue Messlatte im Markt vorgeben, sagte T-Online-Chef Wolfgang Keuntje bei der Vorstellung der neuen Preisstruktur vor Journalisten in München. Da die eigenen Geschäfte vor allem wegen des elektronischen Handels per Internet besser als geplant laufen, erlaube die Ertragslage den jetzigen Preisschritt. So verlangt der Marktführer von sofort an keine Einwahlgebühren mehr und entkoppelt die eigenen Internet-Angebote von den Telefontarifen. Damit kann ein Kunde von T-Online auch ein anderes Telefonnetz als das der Deutschen Telekom benutzen. Neu ist auch der von November an geltende Internettarif T-Online pro, der sich an Vielnutzer wendet. Zum Monatspreis von 19,90 Mark können Kunden dabei zeitlich unbegrenzt surfen. Wenn sie das über das Netz des Mutterkonzerns tun, kommen als Telefontarif drei Pfennig pro Minute hinzu. Darüber hinaus senkt T-Online von sofort an bei den bereits bestehenden Internettarifen für Einsteiger, Normalnutzer und professionelle Vielnutzer ihre Preise. Keutje räumte er ein, dass es noch billigere Offerten am Markt gebe. T-Online habe als Marktführer zuletzt seinen heimischen Konkurrenten bei neuen Preismodellen den Vortritt gelassen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, Wettbewerb schon im Keim zu ersticken. Für die nahe Zukunft deutete er auch Internetübertragung per Kabel und einen Markteinstieg in nicht deutschsprachigen Ländern wie Großbritannien und Frankreich an.

Die Mutter Deutsche Telekom hat ihre internationale Expansion bereits fortgesetzt. Sie kann 35 Prozent an der nationalen kroatischen Telefongesellschaft Hrvatska Telekom übernehmen. Die Telekom hatte gut 1,55 Milliarden Mark (794 Millionen Euro) für Hrvatska geboten und damit ein Konsortium aus dem kroatischen Konkurrenten Telia und deren norwegischen Partner Telenor ausgestochen. Die Beiden hatten schwedischen Presseberichten zufolge umgerechnet gut 1,17 Milliarden Mark geboten.
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