Zeitung Heute : Neue Chancen gegen 0190-Dialer

Regulierungsbehörde geht Verbraucherhinweisen nach

Kurt Sagatz

Gegen illegale Internet-Dialer ist der Verbraucher offensichtlich doch nicht so machtlos, wie man sich als Betroffener bislang gefühlt hat. So waren es gerade Hinweise von Geschädigten, die die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation auf die richtige Spur geführt haben. Nach der Prüfung von Verbraucherhinweisen hat die Behörde am Montag knapp 400 000 solcher Internet- Einwahlprogramme die Registrierung entzogen. Wer solche Dienste unter den Rufnummern 0190/880460, 0190/880461 und 0190/805640 in Anspruch genommen hat, muss nun die oft hohen Rechnungen nicht mehr bezahlen, sagte Behördensprecher Harald Dörr dem Tagesspiegel. Dies gelte auch rückwirkend.

In dieser Größenordnung wird dieser Schlag allerdings ein Einzelfall bleiben. Derzeit sind nach Angaben von Dörr noch weitere 160 000 Dialer bei der Behörde registriert. Allerdings nicht in dieser gebündelten Form: Manche Firmen haben nur ein Programm registriert, andere bis zu 2000.

Der Schlag gegen die illegalen Dialer hat jedoch eins gezeigt: Auch registrierte Programme arbeiten nicht automatisch nach dem neuen Anti-Missbrauchsgesetz. Wer auf seiner Telefonrechnung einen solchen 0190- oder 0900-Posten entdeckt und sicher ist, dass er der Installation nicht bewusst zugestimmt hat, sollte Widerspruch einlegen und die Überweisung des Betrages aussetzen. Denn nach dem seit Mitte August geltenden Gesetz muss der Dialer-Anbieter den Verbraucher über die Höhe der Gebühren informieren. Zudem muss der Nutzer der Installation zustimmen, in dem er eine Identifizierungsnummer eingibt. Fehlt einer dieser Schritte, kann die Behörde dem Programm nach einer Überprüfung auch nachträglich die Registrierung entziehen. Die Behörde nimmt Hinweise über die Mail-Adresse mede01.postfach@regtp.de entgegen.

Bernd Rosinzik von der Verbraucherzentrale Berlin sieht ein Hauptproblem allerdings weiterhin bei jenen Nutzern, die noch nicht so geübt sind im Umgang mit Computern und dem Internet. Ihnen empfiehlt er, die Verbindung mit dem Internet möglichst nicht automatisiert herzustellen. Besser sei es, bei jeder Einwahl das Passwort manuell einzugeben. Dabei könne auch immer geprüft werden, über welche Telefonnummer sich der Computer einwählen will. Genau wie Behördensprecher Dörr rät er, jeden 0190- oder 0900-Rechnungsbetrag kritisch zu überprüfen. Dabei hilft unter anderem die Berliner Verbraucherzentrale, die über die Telefonnummer 21 48 50 zu erreichen ist.

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