Zeitung Heute : Neue Energieträger: Sauber und billig mit Erdgas

Ingo Dahlern

Wasserstoff dürfte schon bald der wichtigste Energieträger für unsere Autos werden. Bei ihnen gibt es gleich zwei Optionen. Die eine, fast schon serienreif, ist die Brennstoffzelle, in der aus Wasserstoff und Sauerstoff auf dem Wege der "kalten Verbrennung" direkt elektrischer Strom erzeugt wird, der die Motoren von Brennstoffzellenautos antreibt, die also Elektroautos sind, die ihren Strom an Bord erzeugen.

Die zweite Option sind Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren, in deren Brennräumen nach unkomplizierter Umrüstung statt eines Kraftstoff-Luftgemischs ein Gemisch aus Wasserstoff und Luft gezündet wird, wie das unter anderem BMW tut, wo schon seit Jahren Wasserstoff-Autos fahren und im Rahmen der Expo in Hannover sogar eine ganze Flotte.

Beide, Brennstoffzellenfahrzeuge ebenso wie Wasserstofffahrzeuge, müssen Wasserstoff tanken. Dafür fehlt es bislang an der erforderlichen Infrastruktur, die erst in wenigen Ansätzen vorhanden ist. Den Ausweg bei den Brennstoffzellen-Fahrzeugen bietet die Erzeugung des Wasserstoffs an Bord mit Hilfe sogenannter Reformer, die Benzin oder Methanol aufspalten. Dabei entsteht zwar auch Kohlendioxid, aber die Mengen sind erheblich niedriger als bei der Verbrennung.

Für Verbrennungsmotoren wird die Versorgung mit Wasserstoff schwieriger, so lange es nicht ausreichend Wasserstoff-Tankstellen gibt. Aber um Verbrennungsmotorern wenigstens erheblich sauberer als mit konventionellen Kraftstoffen zu betreiben, bietet sich für eine Übergangszeit Erdgas an - ein Energieträger, der praktisch sofort verfügbar ist und sich in Drucktanks auch relativ gut an Bord von Erdgasfahrzeugen mitführen lässt. Das Befüllen dieser Tanks wird technisch heute problemlos beherrscht.

In Italien sind heute bereits rund 300 000 sogenannte "metanos" unterwegs, die statt Benzin oder Diesel auf rund 200 bar komprimiertes Erdgas in ihren Tanks haben. In Deutschland gehören Erdgasfahrzeuge dagegen noch zu den Ausnahmen, denn hier gibt es erst 150 Erdgastankstellen, die in den wenigsten Fällen rund um die Uhr und an Wochenenden geöffnet sind, so dass das Tanken ohne genaue Kenntnis der Tankstellen und ihrer Öffnungszeiten sehr problematisch werden kann.

Der Sorge, mit leergefahrenem Erdgastank auf der Strecke stehen zu bleiben, kann man dadurch begegnen, indem man sogenannte Bi-Fuel-Fahrzeuge benutzt, die neben den Erdgastanks auch einen normalen Benzintank haben, so dass man bei leerem Erdgastank auf Benzinbetrieb umschaltet - der Fiat Multipla Bipower ist ein solches Fahrzeug, das mit solcher Ausstattung vom Band rollt, nicht mehr als ein normaler Diesel kostet und dank der Tankanordnung unterhalb des Wagenbodens den normalen Innenraum ohne Einschränkung verfügbar hat. Einziges technisches Problem bei solchen Bi-Fuel-Konzepten ist, dass der Motor nicht auf Benzin und Erdgas zugleich optimiert werden kann. So büßt zum Beispiel ein auf Erdgas optimierter Motor mit Benzin rund 20 Prozent seiner Leistung ein.

Auf Unterflurtanks und damit keine Einschränkungen beim Innenraum setzt auch ein ebenfalls bei der "aaa 2000" gezeigter Opel Zafira für Erdgasantrieb, dessen Motor speziell auf diesen Kraftstoff eingestellt ist. Sein 1,6-Liter-Motor leistet 74 kW (100 PS, macht den Wagen bis zu 172 km/h schnell und verbraucht 5,5 kg Erdgas pro 100 km, so dass die reinen Treibstoffkosten bei einem Preis von 1,19 DM/kg bei rund sechs Pfennig pro Kilometer liegen - gegenüber elf Pfennig beim Zafira Diesel DI 16V und 17 Pfennig beim Benziner 1.6 16V. Abgesehen von der günstigen Ökobilanz - um 30 Prozent weniger Kohlendioxid, stark gesenkte Kohlenmonoxid- und Stickstoff-Emissionen und keine Partikel - hilft der Erdgasbetrieb auch Geld zu sparen. Die Tanks des Erdgas-Zafira fassen 120 Liter, die für 400 km Fahrtstrecke ausreichen.

Erdgasfahrzeuge werden in sämtlichen EU-Ländern beim Kauf steuerlich begünstigt und in Deutschland fördern die meisten regionalen und lokalen Erdgasversorger, indem sie bis zu 6000 DM beim Kauf eines Erdgasfahrzeugs beisteuern oder bis zu 4000 kg Kraftstoff kostenlos liefern. Es lohnt also durchaus, sich auch in Deutschland ernsthaft Gedanken über Ergasfahrzeuge zu machen. Für Gebiete, in denen die Erdgasversorgung unzureichend ist, plant man bei Opel einen Erdgas-Zafira mit 15-Liter-Nottank für Benzin.

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