Zeitung Heute : Neue Flugverbindung von Berlin aus

Gerd W. Seidemann

"Für uns sind vor allem die so genannten Sekundärrouten interessant: Mailand, Barcelona, Manchester, Nizza, Köln - da haben wir uns gut etabliert. Und jetzt Berlin", sagt Francisco Bordalo, Generalmanager von PGA Portugália Airlines, und beeilt sich hinzuzufügen, dass die deutsche Hauptstadt natürlich nicht zu den zweitrangigen Zielen zähle. Vielmehr setze man große Hoffnungen in diese "wichtige neue Flugverbindung" zwischen Berlin und Lissabon, auf der auch Porto eingebunden wird. "Diese Strecke wird von uns nicht nur während des Sommers bedient, wir fliegen das ganze Jahr." Täglich, außer sonntags.

Die private portugiesische Fluggesellschaft, die 1990 ihre Liniendienste aufnahm, setzt vor allem darauf, dass Geschäftsreisende die Non-stop-Verbindung zwischen Berlin-Schönefeld und Lissabon nutzen. "Die Verbindung ist von den Abflugzeiten her optimal für alle, die dienstlich oder geschäftlich in einer der beiden Hauptstädte oder in Porto zu tun haben", ist João S. Castro überzeugt. Der Deutschlanddirektor der Airline, mit Sitz in Köln, sieht keine überzeugende Alternative für die Region. Der Vormittagsflug hebt in Schönefeld um 9 Uhr 15 ab und landet in Lissabon um 11 Uhr 50, in Porto um 13 Uhr 15. Ohne lästiges Umsteigen. Flüge von Berlin über Frankfurt am Main starteten wenigstens zwei Stunden früher, erreichten Lissabon jedoch nur 40 Minuten eher, rechnet Castro vor. Auch die Nachmittagsverbindung mit dem Start in Lissabon um 15 Uhr 40, einem kurzen Zwischenstopp in Porto, wo ein Verlassen des Fliegers nicht nötig ist, und der Ankunft in Berlin um 21 Uhr hält der Airliner für konkurrenzlos gut.

Dass die staatliche Fluggesellschaft TAP ihre Non-stop-Verbindung Berlin-Lissabon wegen geringer Rentabilität im vergangenen Jahr einstellte, ist für Castro kein Indiz dafür, dass die Strecke nicht erfolgreich beflogen werden kann. "Die Passagierzahlen haben gestimmt, nur das Fluggerät der TAP war zu groß und damit die Auslastung zu gering." TAP beförderte 22 000 Passagiere im Jahr und kam damit auf eine Auslastung ihrer Maschinen von lediglich 45 Prozent. Portugália rechnet mit einem inzwischen gestiegenen Bedarf (25 000 Passagiere) und geht von einer Auslastung von zunächst 51 Prozent, später 60 Prozent ihrer 94-sitzigen Fokker 100 Jets aus. "80 Prozent wären sicher schöner, doch mit unserem Ziel werden wir vorerst auch gut leben können", so Castro.

Das Potenzial mit Angehörigen von Botschaften, Touristen sowie Gastarbeitern sei durchaus bemerkenswert. Denn auch für afrikanische und südamerikanische Diplomaten stelle das "Drehkreuz Lissabon" eine gute Alternative zu bestehenden Flugverbindungen dar. Interessant für Berliner Touristen sei, dass durch ein Codeshare-Abkommen mit der TAP vom 17. April an das ganze Jahr über eine vernünftige Anbindung auch nach Madeira bestehe.

Portugália fliegt zwischen Schönefeld und Lissabon in einer so genannten Zwei-Klassen-Konfiguration. Das heißt, in der Regel stehen zwölf Plätze in der Business Class und 82 in Economy zur Verfügung. Bei Bedarf kann die gehobene Klasse auf 36 Plätze erweitert werden. "Bei den Tarifen kommen für uns keine Dumpingpreise in Frage", erklärt Deutschlanddirektor Castro. Selbstverständlich werde es "zu bestimmten Zeiten Sondertarife" geben, wie etwa jetzt im April, wo als Einführungsangebot auf der neuen Strecke der Hin- und Rückflug für 525 Mark zu buchen ist. Regulär werde die einfache Strecke bei durchschnittlich 350 Mark in der Economy Class liegen, wobei die Wahl zwischen vier bis fünf Tarifen liege, abhängig von Aufenthaltsdauer, Vorausbuchungsfrist und Umbuchungsmöglichkeiten. Der Hin- und Rückflug in der Business Class werde etwa 1800 Mark kosten.

Die Geschichte von PGA Portugália Airlines begann 1987, als sich die portugiesische Pilotenvereinigung und eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft zusammen setzten, um das Projekt einer Privatfluggesellschaft für das Land auf den Weg zu bringen. Wegen fehlender gesetzlicher Regelungen dauerte es dann bis 1990, bevor der Flugbetrieb aufgenommen werden konnte. Den anfänglichen Inlandsflügen von Lissabon nach Porto und Faro sowie Charterflügen nach Madeira folgte 1992 die Internationalisierung des Streckennetzes. Bei den Zielen achtete Portugália stets darauf, nicht gegen die großen Airlines anzutreten und so Gefahr zu laufen, von der übermächtigen Konkurrenz zerrieben zu werden. Im Winterflugplan bediente die Airline 21 Städte in Europa, jetzt ist Berlin hinzugekommen, von Juni an wird auch Hamburg von Lissabon aus angeflogen.

Im vergangenen Jahr wurden 850 000 Passagiere befördert, für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit 1,1 Millionen. Die Flotte besteht derzeit aus sechs Fokker 100 und acht Maschinen vom Typ Embraer 145. Seit dem Sommer vergangenen Jahres ist die SAirGroup (Swissair, LTU) mit 42 Prozent an Portugália beteiligt, die restlichen Anteile liegen bei portugiesischen Finanzinstituten. Die Mehrheitsaktionärin GES-Grupo Espirito Santo hatte ihre Anteile an die Schweizer verkauft, um sich neben dem Bankgeschäft verstärkt auf Hotelbeteiligungen zu konzentrieren.

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