Zeitung Heute : Neue Freunde für das Handy

Antje Kraschinski

Nein, der kleine Kerl, der da auf dem Display hüpft und kreischt, braucht keine Zuwendung. Noch nicht. Die animierten Trickfiguren, die sich Kunden des Handy-Dienstes Jamba vom 31. Oktober an auf ihr Mobiltelefon laden können, werden erst zum Jahresende voll funktionsfähig sein und dann auch eigene Bedürfnisse anmelden. Bis dahin sind sie nur spielerische Charaktere, die die Jamba-Kunden animieren sollen, dessen Dienste verstärkt in Anspruch zu nehmen. Das Besondere an ihnen ist aber schon jetzt, dass sie über eine nahezu unendliche Bandbreite von Gefühlsregungen verfügen, die sie durch Mimik, Bewegung und Gräusche zum Ausdruck bringen. Durch eine selbstlernende Software sollen die am Computer geschaffenen 3D-Figuren 186 Millionen verschiedene emotionale Zustände annehmen können. Welcher Mensch kann das schon?

Die Eltern dieser Figuren sind zwei Österreicher, die in Potsdam geschafft haben, woran sich Computerfreaks in Silicon Valley noch immer die Zähne ausbeißen: mit der „Heart-Engine“ entwickelten sie die erste Software, die Computern Gefühle verleiht. Das jedenfalls behaupten die beiden Geschäftsführer von „Bluue“, Andreas Höss und Marion Genser. Das Unternehmen hat sich vor zwei Jahren darauf spezialisiert, digitale Lebewesen zu entwickeln, die neben künstlicher Intelligenz auch über ein Gefühlsleben verfügen. Vorbei die Zeiten, in denen der peinlich-nervige „Karl Klammer“ von Microsoft mit einem blöden Augenzwinkern seine Hilfe anbietet. Die neuen Figuren heißen „Amber“ oder „Garcia“, sehen dank modernster 3D-Darstellung erstaunlich real aus und können neben den üblichen Agenten-Funktionen – Wetter- oder Börsenberichte abrufen, Zugverbindungen oder das Tageshoroskop suchen – lachen, sprechen, küssen und schimpfen. „Wohnort“ der komplexen Charaktere ist aufgrund ihrer Datenmenge nicht das Handy. Das System arbeitet auf einem Server, die Verbindung zum Handy wird über eine GPRS-Funkverbindung hergestellt.

Was als Spielerei für jugendliche Mobiltelefonierer auf den Markt kommt – bis Jahresende stehen drei „Buddys“ kostenlos zum Download bereit, danach sind sie für 2,99 Euro zu haben – soll in Zukunft helfen, Technik menschlicher und kostengünstiger zu machen . In vier Wochen werde ein „großes, deutsches Telekommunikationsunternehmen“ die „Heart-Engine“ in der Kundenkommunikation einsetzen, um damit Kosten zu sparen. Welches Unternehmen, das wollte Höss nicht verraten.

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