Zeitung Heute : Neue Grenzwerte für Blei im Trinkwasser

Bis Dezember sind alte Rohre zu ersetzen – der Gesetzgeber kennt bei diesem Nervengift kein Pardon mehr.

Susanna Hoke (dpa)
Leitungswasser ist in manchen Häusern nur mit Vorsicht zu genießen. Klarheit über Bleibestandteile im Trinkwasser verschafft eine Schadstoffanalyse im Labor.  Foto: dpa
Leitungswasser ist in manchen Häusern nur mit Vorsicht zu genießen. Klarheit über Bleibestandteile im Trinkwasser verschafft eine...Foto: dpa-tmn

Das Trinkwasser in Deutschland hat eine gute Qualität. Wer seinen Durst schnell löschen will, braucht zu Hause nur den Hahn aufzudrehen. Allerdings ist das Wasser aus der Leitung in manchen Häusern nur mit Vorsicht zu genießen: Bleirohre führen zu erhöhten Bleiwerten, die auf Dauer gesundheitsschädlich sind. Die Politik hat das Problem erkannt und den Grenzwert für Blei im Trinkwasser verschärft. Am 1. Dezember tritt die Änderung in Kraft. Um den neuen Höchstwert einzuhalten, müssen Hausbesitzer jetzt die alten Bleirohre austauschen.

„Blei ist ein Nervengift“, sagt Alexander Eckhardt, Toxikologe beim Umweltbundesamt in Bad Elster. „Ein zu hoher Bleigehalt im Blut kann zu Verhaltensstörungen, Hyperaktivität, Beeinträchtigungen der Intelligenz, der Aufmerksamkeit und der Feinmotorik führen.“ Das besonders stark belastete Standwasser morgens erst einmal ablaufen zu lassen, verringert zwar die Bleikonzentration. Doch das bietet langfristig keinen sicheren Schutz vor Gesundheitsschäden.

Schon einmal wurde der Grenzwert für Blei im Trinkwasser deutlich gesenkt: Waren zuvor noch 40 Mikrogramm je Liter zugelassen, sind es seit Dezember 2003 nur noch 25 Mikrogramm. Ab 1. Dezember 2013 gilt ein Höchstwert von 10 Mikrogramm pro Liter. „Dieser neue Grenzwert kann nirgendwo eingehalten werden, wo es noch Bleirohre gibt“, sagt Thomas Rapp, Trinkwasserexperte beim Umweltbundesamt. Alternativen wie die Auskleidung der Rohre mit Epoxid-Harz hält er für ungeeignet. „Löst sich die Beschichtung auch nur an der kleinsten Stelle, ist das ganze Verfahren umsonst.“ Auch Filter seien keine Lösung: Werden sie nicht regelmäßig gewartet, reichert sich Blei dort in hoher Konzentration an.

Laut einer nicht repräsentativen Auswertung der Stiftung Warentest wiesen 2010 die Regionen um Kiel, Hamburg, Bremen, Schwerin, Berlin, Potsdam, Magdeburg und Leipzig überdurchschnittlich häufig eine erhöhte Bleikonzentration im Trinkwasser auf. Rund fünf Prozent der eingesandten Proben enthielten mehr als 25 Mikrogramm pro Liter.

„Zunächst sollte der Mieter den Hausbesitzer auffordern, nachzuweisen, dass das Trinkwasser unbedenklich ist“, rät Sylvia Sonnemann vom Hamburger Verein „Mieter helfen Mietern“. Kommt dieser der Aufforderung in einer angemessenen Frist von zwei Wochen nicht nach, kann der Mieter eine Analyse in Auftrag geben. Die Hamburger Wasserwerke etwa bieten kostenlose Untersuchungen für Haushalte mit Schwangeren und Kleinkindern bis zu einem Jahr an. Alle anderen zahlen 20,23 Euro für eine Analyse.

„Die reicht aus, da es zunächst nicht auf gerichtsverwertbare Gutachten ankommt“, sagt Sonnemann. Stellt sich heraus, dass der Bleigehalt zu hoch ist, könne der Eigentümer zum Austausch der Rohre aufgefordert und verklagt werden. Werden die Grenzwerte regelmäßig überschritten, liegt ein gesundheitsgefährdender Mangel der Mietsache vor. Dieser berechtigt zu einer Mietminderung. „Der Austausch der Bleirohre ist eine Instandsetzungsmaßnahme und keine Modernisierung. Die Kosten dürfen daher nicht auf die Mieter umgelegt werden“, erläutert Sonnemann.

Mit einem Blick auf die Rohre kann jeder schnell herausfinden, ob dort Bleirohre verlegt sind: Die silbergrauen Leitungen sind relativ weich und lassen sich mit einem Messer leicht einritzen. Beim Klopftest klingen sie dumpf und nicht metallisch.Susanna Hoke (dpa)

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