CLEVERLIZE

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Neue Ideen für die vernetzte Welt : Davos in Potsdam
Claudine Hengstenberg

Die Geschäftsidee von Lukas Steinbacher, 31, und Binh-An Tran, 28, ist eine Art digitale Frischzellenkur fürs Bildungssystem. Aus Smartphones, Tablet-PCs oder Laptops sollen virtuelle Klassenzimmer werden. Die beiden Jungunternehmer tüfteln derzeit in einem Büropark in München-Garching an einer Lernsoftware, die Lehrer und Dozenten im Unterricht einsetzen können, um ihre Schüler zum Pauken zu bringen. Der Kniff: Die Lehrenden können die Funktionen selbst erstellen – ohne nennenswerte Programmierkenntnisse. Sie müssen nur ihre Lerninhalte eingeben, zum Beispiel Lateinvokabeln, Algebra oder historische Ereignisse. Heraus kommt eine App für mobile Geräte jeder Art, die individuell auf die Themengebiete des Lehrers zugeschnitten ist. Sie kann Lernsessions in unterschiedlichsten Formaten generieren, etwa Karteikartenabfragen oder Multiple-Choice-Test.

„Cleverlize“ nennen Steinbacher und Tran ihr Unternehmen. Im Oktober dieses Jahres soll das gleichnamige Produkt auf den Markt kommen. Der promovierte Betriebswirt Steinbacher sagt: „Ich bin zuversichtlich, dass daraus ein Erfolg wird.“ Der Optimismus hat vielleicht damit zu tun, dass sie schon einen kostenlosen Prototypen anbieten, der bislang über 450000 Mal heruntergeladen worden ist. Kein übler Einstand. Mit diesem Programm lässt sich allerdings ausschließlich englische Grammatik büffeln.

Wenn die Lern-App im Herbst schließlich in der ausgearbeiteten Variante zu haben ist, werden Lehrer sie auch auf Stoff aus anderen Fächern ausrichten können, ob Fremdsprachen, Mathematik, Sozial- oder Naturwissenschaften. Und 2013 wird die Software mit einer weiteren Verbesserung aufwarten. Dann soll es möglich sein, dass sie eigenständig Rückschlüsse aus den Lernergebnissen zieht – und so Schwachstellen der Schüler entlarvt. Bei ihren Lerneinheiten können die Schüler daraufhin gezielt an ihren Defiziten arbeiten. Damit das alles funktioniert, müssen sie natürlich selbst im Besitz des Programms sein.

Generell gilt: Geschäftstüchtige Lehrer sollen ihre mit eigenem Content gefüllte App weltweit weiterverkaufen können. Ob sie von dieser Option tatsächlich Gebrauch machen werden, bleibt abzuwarten. In der Telekommunikationsbranche haben Lukas Steinbacher und Binh-An Tran für ihr Konzept schon Anerkennung gefunden. Bei einem Preiswettbewerb für Start-ups, ausgeschrieben von Telefónica, zählten sie zu den neun Gewinnern und bekamen 50000 Euro. Jetzt wollen sie Investorengeld sammeln, damit aus dem virtuellen Klassenzimmer ein florierendes Unternehmen wird.

Philipp Wurm

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