PACTAS

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Neue Ideen für die vernetzte Welt : Davos in Potsdam
Claudine Hengstenberg

90 Prozent der rund sechs Milliarden Rechnungen, die jährlich in Deutschland geschrieben werden, werden noch per Post versandt und für die Ablage kopiert. Das ist Papierverschwendung pur und erhöht zudem unnötig die Betriebskosten. Nicht nur das Material und Porto schlagen zu Buche. Auch das Schreiben, Versenden, Prüfen, Bezahlen und Archivieren ist bei Papierrechnungen erheblich zeitaufwendiger und damit teurer als bei elektronischen Rechnungen. Durch das manuelle Übertragen der Zahlen und Daten zu Überweisungszwecken hat die Papierrechnung ein weitaus höheres Fehlerpotential als digitale Daten, die automatisch übernommen werden können. Bei letzteren besteht allerdings die Gefahr, dass einmal gemachte Fehler von Dokument zu Dokument und von Transaktion zu Transaktion endlos reproduziert werden.

Während Großunternehmen für den elektronischen Datenaustausch teure EDI-basierte Infrastrukturen nutzen, fehlte Selbstständigen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen bislang eine entsprechende digitale Lösung. Doch das soll sich nun ändern – dank Pactas. Das Start-up-Unternehmen wurde im Sommer 2010 von dem Betriebswirt Florian Kamps und dem Softwareentwickler Christoph Menge gegründet und bot acht Monate lang Freiberuflern und Kleinunternehmen eine Internetplattform, mit der Rechnungen versendet, empfangen, verwaltet und elektronisch archiviert werden. Dann wurde das Unternehmen überraschend liquidiert.

Seit Frühjahr 2012 ist Pactas nun wieder am Markt. Der 49-jährige Physiker Ricco Deutscher hat es gekauft und dem Unternehmen neues Leben eingehaucht. Er hatte gerade sein Open-Source-Unternehmen Sopera veräußert und wollte eben mit der Entwicklung eines eigenen Systems zur Abwicklung elektronischer Rechnungen starten. Da hörte er von der Auflösung Pactas, übernahm kurzerhand die Technologie und entwickelt das Konzept jetzt nach seinen eigenen Vorstellungen weiter.

Eine Neuerung der Plattform ist seither, dass eine Rechnung zum interaktiven Medium werden kann. Das heißt, mit nur einem Klick kann der Kunde vom Dienstleister eine Antwort zu Unstimmigkeiten in der Rechnung einfordern oder der Dienstleister dem Kunden mitteilen, dass seine Zahlung eingegangen ist. Zudem soll es zukünftig zusätzlich zur Pactas-E-Invoicing-Plattform eine entsprechende Smartphone-App geben. Es wird außerdem an einer Workflow-Unterstützung für die interne Rechnungsprüfung gearbeitet. Zu guter Letzt wird noch eine Funktion zur automatischen Generierung eines Zahlungsauftrags eingerichtet, so dass die geprüften Rechnungsdaten gleich für das Onlinebanking zur Verfügung stehen.

Claudine Hengstenberg

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