SNAP2LIFE.DE

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Neue Ideen für die vernetzte Welt : Davos in Potsdam
Claudine Hengstenberg

Ein Freitagabend im Februar 2011: Das Großraumbüro der IT-Firma „Prisma EDV“, beherbergt in einem Neuköllner Gewerbegebiet, ist längst verwaist. Die Angestellten sitzen schon zu Hause auf der Couch und öffnen ihr Feierabendbier. Nur der Marketingspezialist Martin Krotki, 35, und der Informatiker Vinh-Hieu On, 34, sitzen noch an ihren Arbeitsplätzen. Eine Idee lässt sie nicht los. Vor ihnen liegt eine Zeitschrift. Zu sehen ist eine Werbeanzeige für einen Audi A6. Wie wäre es, eine App zu entwickeln, die das Anzeigenmotiv mit einem schicken Werbespot verbinden könnte? Man müsste das Motiv einfach mit dem Smartphone abfotografieren, die App würde das Bild daraufhin erkennen und einen Weblink zum Spot oder einem anderen Multimedia-Gimmick anbieten. Auf einmal gäbe es eine Schnittstelle zwischen der Bilderflut auf gedrucktem Papier, den traditionellen Holzmedien also, und der reizstarken Onlinewelt.

Nun, im Sommer 2012, hat sich aus dem Geistesblitz von Krotki und Vinh-Hieu On ein veritables Start-up entwickelt. Das liegt daran, dass die App, die beide in kurzer Zeit marktfähig gemacht haben, schnell prominente Kunden gefunden hat. Da ist zum Beispiel das Kölner Unternehmen Ströer, das Werbeplakate im öffentlichen Raum anbringt, z.B. an Litfasssäulen. Lichtet man ein Ströer-Plakat ab, das etwa für Konzerte wirbt, ob für Seeed oder Udo Jürgens, erkennt die App das Bild und übermittelt einen Link zu einem Ticketportal.

Zu den Kunden zählen auch die Frauenmagazine aus dem Bauer Verlag. Sie vertrauen ebenfalls auf das Verknüpfungstalent der App-Algorithmen. Ein Beispiel: Eine Leserin ist angefixt von einem Artikel in der „Intouch“ über Heidi Klums Trennung von Seal. Sie zückt ihr Smartphone, drückt ab und findet daraufhin auf ihrem Display ein exklusives Video der „Intouch“-Redaktion. Darin trägt eine Redakteurin zusätzliche Hintergrundinformationen über den Rosenkrieg der beiden Promis vor.

Krotki und Vinh-Hieu On nennen ihre App „snap2life.de“, noch wird sie unter dem Dach ihres Arbeitgebers „Prisma EDV“ vertrieben. Einen Gewinn im sechsstelligen Bereich hat sie bisher abgeworfen. Die beiden Urheber wollen nun aus ihrer Mutterfirma aussteigen und sich mit ihrer Idee selbstständig machen. „Der internationale Markt ist unser Ziel“, sagt Krotki. Um dieses Vorhaben zu meistern, fehlt noch ein Investor.

Philipp Wurm

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