Zeitung Heute : Neue Ideen für einen Problemkiez Wie Neukölln attraktiver werden könnte

Patricia Pätzold

Als Garten- und Wasserstadt wollen Daniel Bormann und vier Kommilitonen den abbruchreifen Kiez wieder attraktiv machen. Ein anderes Team um Michael Brecht und Gabriele Gottschalk-Elsen schlägt vor, einen Teil der alten Siedlung abzureißen, um preisgünstige Reihenhäuser und Mietwohnungen für Jung und Alt, für Migranten und Ur-Neuköllner zu bauen und den Rest zu sanieren, ökologisch Betriebskosten sparend. Insgesamt fünf Gruppen aus jeweils fünf bis sechs Studenten haben ausführliche Machbarkeitsstudien für den Umbau und die Sanierung eines Berliner Problemkiezes erstellt: die High-Deck-Siedlung am südlichen Ende der Neuköllner Sonnenallee.

Das Quartier für rund 5500 Einwohner galt vor dreißig Jahren als viel beachtetes Modellvorhaben. Heute ist das Viertel fast am Ende. „Der Kiez leidet unter einem erheblichen Imageproblem“, erklärt Gottschalk-Elsen. „Ein Viertel der Bewohner sind Migranten, die Hälfte ist abhängig von Stütze. Ende 2006 läuft die öffentliche Förderung aus, das heißt, es entsteht ein Schuldenproblem. Zu allem Übel sind Bausubstanz, Energie- und Versorgungstechnik marode.“

Die Studenten stehen mit ihren Ideen nicht allein, sie werden von ihren Dozenten unterstützt: „Solche Problemfälle sind ein optimales Übungsfeld für die Studenten unseres Masterstudiengangs Real Estate Management“, erläutert Rudolf Schäfer, Architekturprofessor und Studiendekan dieses zweijährigen Studiengangs, der als berufsbegleitende Weiterbildung für Fachleute aus verschiedenen Gebieten gedacht ist.

Eigentümerin der High-Deck-Siedlung ist die Stadt-und-Land-Wohnbauten-Gesellschaft mbH. Sie und die Bewohner sind an den Ideen und Ergebnissen der Studenten sehr interessiert. Michael Brecht, Gabriele Gottschalk-Elsen und ihre Kommilitonen mussten ihnen plausibel darlegen, wie die Siedlung mit ihrem Konzept umgebaut, der soziale Brennpunkt entschärft und der drohende Schuldenberg von rund siebzig Millionen Euro abgebaut werden könnte. „Auch für die nächsten Studenten wird es spannend“, verspricht Schäfer. „Sie werden sich unter anderem mit der Zukunft der Steuben-Kaserne befassen, einem ehemaligen Depot der US-Armee am Dahlemer Weg.“ Für den neuen Jahrgang kann man sich an der TU Berlin noch bis zum 31. Mai 2006 bewerben.

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