Zeitung Heute : Neue Ideen für Jungs

Ein Initiative wirbt dafür, dass junge Männer mehr über Berufe erfahren, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden

Cornelia Wagner

Lokomotivführer, Fußballprofi, Automechaniker – das sind die Traumberufe vieler Jungs. Diese Berufe sind ihnen bekannt und als männlich in der Gesellschaft akzeptiert. Anders sieht es noch bei sozialen Berufen wie Erziehern, Altenpflegern oder Grundschullehrern aus. Doch der Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist im Wandel, neue Berufe im Dienstleistungs- und Wissenschaftsbereich entstehen. Und für Jungs gibt es mehr Berufsmöglichkeiten als sie bislang wahrnehmen.

Um eben solche Berufe den Jungen zugänglich zu machen, hat das Bundesfamilienministerium zur Unterstützung von Projekten, die sich mit der Berufs- und Familienplanung von Jungen beschäftigen, das Pilotprojekt „Neue Wege für Jungs“ ins Leben gerufen. „Das Pilotprojekt soll Berufe in denen Männer unterrepräsentiert sind für Jungs attraktiver machen“, sagte Projektleiter Miguel Diaz. „Aber auch soziale Kompetenzen sollen ausgebaut und Jungen an Aufgaben in Familie und Haushalt herangeführt werden.“ Im Rahmen dieses Projekts hat das Bundesministerium am Freitag bei dem Wettbewerb „Fort-Schritte wagen!“ erstmals 25 Ideen und Projekte zur Berufs- und Lebensplanung für Jungen prämiert. Der Wettbewerb richtete sich vorrangig an Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Jugendarbeiter, Berufsberatende und Eltern. Zur Unterstützung der Ideen und Projekte erhielten alle Gewinner 1500 Euro.

Aus den 25 Gewinnern suchten die prominenten Paten des Wettbewerbs Fernsehkoch Ralf Zacherl, Kinderkanal-Moderator Karsten Blumenthal, Gleichstellungsbeauftragte der Deutschen Telekom Maud Pagel und Pädagogik-Professor an der Berliner Katholischen Hochschule für Sozialwesen Stephan Höyng drei Projekte heraus, die ihnen ganz besonders gefallen haben:

So der Landesverband Soziokultur Sachsen aus Dresden mit dem Jungencamp „Attention Authenticity Please!“. „Für zehn Tage werden 20 Jungs in ein Camp fahren“, sagte Jugendbildungsreferent Stefan Peter. „Dort werden vier Workshops angeboten bei denen alternative Berufsfelder vorgestellt, Sozialkompetenzen gestärkt und bestehende Rollenbilder überdacht werden sollen.“ So wird zum Beispiel die Modebranche nicht nur mit all ihren Berufsfeldern dargestellt, sondern auch eigene Kleidungsstücke entworfen. Am Ende werden alle Ergebnisse der Workshops präsentiert.

Die bayrische Hauptschule Dingolfing ermöglicht den Jungen der siebten Klassen mit dem Projekt „Soziale Woche für Jungs“ einen intensiven Einblick in das Berufsfeld Altenpflege. „Eine Woche lang betreuen die Jungs Menschen im Altenheim oder zu Hause“, sagte Schulleiterin Adele Rump. „Sie führen Gespräche, machen Spaziergänge oder spielen Spiele.“ Dabei machen die Jungs wertvolle Erfahrungen zu denen sie sonst keine Möglichkeit hätten.

Das Projekt „Hey Man(n), alles klar?“ der Dortmunder Heinrich-Böll-Gesamtschule geht über die reine Berufsfelderkundung hinaus. „In vier Doppelstunden setzen sich Jungen der neunten Klassen mit der eigenen Rolle auseinander“, sagte Schul-Sozialarbeiter Thorsten Friedrich. Spielerisch gehe es um das eigene Männerbild, die Frage „Wer bin ich?“ und die Lebens- und Berufsplanung. Dabei soll den Jungen die Angst genommen werden, sich auch mit männeruntypischen Berufen zu beschäftigen.

Wie stark die Berufsorientierungen von Jungen und Mädchen noch auseinander gehen, zeigt das Beispiel Arzthelfer/in: Knapp 13 000 junge Frauen begannen die Ausbildung im Jahr 2004 – aber nur 77 Männer (Weitere Infos zum Wettbewerb: www.neue-wege-fuer-jungs.de).

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