Zeitung Heute : Neue Internet-Plattform: Drei Schwergewichte im Schulterschluss

Peter Dehn

Im Kampf der Nachrichtenportale um Clicks und User mischen n-tv, CNN und die Zeitschrift "Telebörse" ab heute mit einer gemeinsamen Plattform im Internet mit. "Drei anerkannte Brands, drei journalistische Schwergewichte mit vielen Ressourcen" haben sich da zusammengetan, um die nach Aktualitäten gierenden Internetuser zum "entscheidenden K(l)ick" (so der Werbeslogan) zu verführen, meint Kenneth Jautz, Sprecher der Geschäftsführung von n-tv. Dessen typisches Merkmal, das blaue Band mit dem Börsenticker am unteren Bildrand, charakterisiert denn auch das neue Angebot - sofern man über die Webadresse www.ntv.de einsteigt.

Im Unterschied zum TV-Ticker kann das Internetpendant angepasst werden: Wirtschaftsnachrichten, beigesteuert von n-tv, Weltnews und ein Laufband mit "Breaking News" von CNN und personalisierte Börseninfos und Depots, beigetragen von der Frankfurter Redaktion der Zeitschrift "Telebörse" lassen sich mit wenigen Klicks zu einem persönlichen Informationsportfolio kombinieren. Dementsprechend sieht "Telebörse"-Chefredakteur Wolfram Tichy seine Vision der "Newskaskade" einer multimedialen Medienwelt Stück für Stück Realität werden. Zur Printausgabe mit analytischem Charakter und dem Börsenticker auf n-tv kommt als drittes Element die schnelle Information im Internet hinzu. 70 Print- und fünf Online-Redakteuren berichten "jeden Tag das Originäre von der Frankfurter Börse und den Börsen der Welt", freut sich Tichy.

Auf Synergie setzt CNN. Vor 20 Jahren sei man selbst skeptisch über den Erfolg eines TV-Spartensenders für Nachrichten gewesen, räumt Paul Maglione ein. CNNs Internetchef für Europa, Nahost und Afrika erinnert daran, dass der vor fünf Jahren gestartete Interaktiv-Bereich mit vier Leuten begann, die in Atlanta "ein paar CD-ROMs" produzierten. Dann kam "die Idee mit dem Internet". Heute verzeichne man jährlich acht Milliarden Pageviews. Bei entsprechender Nachrichtenlage, wie geschehen am vergangenen Donnerstag, seien 40 Millionen Pageviews täglich auf cnn.com zu verzeichnen. Das übertrifft die bisherige Bestmarke vom September 1998 um Längen; die Veröffentlichung des Starr-Berichtes erreichte 34,3 Millionen Pageviews.

Die fünfjährigen Erfahrungen und Erfolge dieses Online-Engagements sieht Maglione als Voraussetzung und Know-how-Bringer für die weitere Entwicklung des Nachrichtensenders an und zwar sowohl aus redaktioneller als auch in technischer Sicht. Längst stammen 20 bis 30 Prozent der monatlich 650 Millionen Aufrufe der CNN-Seiten von Usern außerhalb der USA - Grund genug dafür, Europa eine strategische Rolle einzuräumen und ein eigenes Webangebot aufzubauen. Chris Cramer, Präsident von CNN International Networks: "Mit dem Start von europe.cnn.com schafft sich CNN eine starke Position, um die fortschreitende Annäherung von Fernsehen, PC und Mobiltelefon zu leisten."

Nicht zuletzt soll damit der Erfolg der TV-Angebote in die digitale Welt weitergetragen werden: Eine aktuelle Studie setzte CNN mit Abstand auf den ersten Platz der europäischen Nachrichtensender, der um die 38 Prozent der Topverdiener und Meinungsführer des Kontinents erreicht. Folgerichtig finden sich auf der Website cnn.com Europe alle Elemente, die auch das neue Deutschland-Projekt ausmachen. Rund um die Uhr sind hier 25 Journalisten am Werk - im Londoner Hauptsitz und weiteren Regionalredaktionen. Sie produzieren Inhalte aus und über die "alte Welt" in englischer Sprache wie auch in Türkisch, Norwegisch, Dänisch und Schwedisch.

Neben der Fülle von thematischen Angeboten fällt sofort das Laufband mit den "Breaking News" ins Auge und die Hinweise auf aktuelle Nachrichtenfilme. In konsequenter Weiterführung dieser Regionalisierungs-Strategie positioniert sich CNN mit dem neuen Deutschland-Portal nun "in seiner gesamten multimedialen Bandbreite auf dem deutschen Zielmarkt", kommentiert Cramer. Das hat man sich einiges kosten lassen. Allein bei n-tv ist von einer Verdoppelung des letztjährigen New-Media-Etats die Rede, Jautz spricht zurückhaltend von einer "niedrigen zweistelligen Millionensumme". Bei n-tv arbeiten bis zu 60 Redakteure in der Online-Redaktion selbst oder zumindest als Zulieferer für den Content. In der CNN-Zentrale in Atlanta und in New York arbeiten weitere Journalisten exklusiv für die gemeinsame Website. Die weltweite Struktur von CNN trägt dazu bei, das Nachrichtengeschehen rund um die Uhr online wiederzuspiegeln. Zusätzlich ist die Zentralredaktion bei n-tv in Berlin 24 Stunden besetzt. Dass die Inhalte - nachdem zwei Fernsehstationen im Boot sind - multimedial dargeboten werden, versteht sich. Sorgsam ausgewählte Fotos werden geboten ebenso wie Life-Streams der beiden Sender und Zugriff auf weitere Nachrichtenfilme. Vom kommenden Jahr an soll ein Breitband-Angebot über DSL oder Fernsehkabel die Qualität der Videopräsentation entscheidend verbessern.

Im Wettbewerb der Nachrichtenportale positioniert sich Kenneth Jautz mit dem Schlagwort "wir verkaufen Klasse statt Masse - wie im Fernsehen" und er fasst für n-tv und CNN zusammen, wohin der medienkonvergente Nachrichtenzug fährt: "Wir sehen uns immer weniger als Fernsehhaus, denn als Internethaus." Von der Fernbedienung zur Maus? Bitte Umsteigen!

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