• Neue Konkurrenz für Al Gore: Mit Jackie Strike betritt die erste virtuelle Präsidentschaftskandidatin die politische Bühne

Zeitung Heute : Neue Konkurrenz für Al Gore: Mit Jackie Strike betritt die erste virtuelle Präsidentschaftskandidatin die politische Bühne

Katja Hübner

Sie ist nicht gerade eine Schönheit. Aber sie verkörpert das, womit sie ihre Wähler zu erobern versucht: Wärme, Fürsorge und Kraft. Im November 2000 ist es mal wieder soweit. In Amerika wird ein neuer Präsident gewählt und Jackie Strike, die erste virtuelle Präsidentschaftskandidatin der Vereinigten Staaten von Amerika, ruft ihrem Volk zu: "Amerika braucht eine Mutter!"

Was könnte eine bessere Kampagne sein als diese. In einer Zeit, in der am späten Abend die Einsamkeit vor dem Bildschirm immer spürbarer wird, wenn der Chatroom nicht die ersehnte Erfüllung bringt und man das Spiel schon zum tausendstenmal verliert, dann ist sie da. Die Mutter der Nation, eine, wie sie selber sagt "ganz normale Amerikanerin, wie alle auch", ein Mensch wie wir, mit Lebenslauf und Tagebuch.

Geboren wurde Jackie Strike am 8. Mai 1945 in New Hampshire. Sie war Cheerleader in der High School, später Model und Mitglied der "Ich würde lieber nackt gehen als ein Pelz zu tragen"-Gruppe. Eine Biografie wie viele und doch nicht ganz. Durch ihren Aufenthalt als unabhängige Kriegskorrespondentin in Vietnam, den tragischen Tod ihrer Eltern bei einem Flugzeugunglück und den Verlust ihres Sohnes in einem Wüstensturm, ist sie eine Frau, die auch das Leid gut kennt.

Dass das für ein Land wie Amerika wichtig ist, haben sicherlich auch ihre Schöpfer gewusst. Hinter Jackie Strike steht die Jackie for President GmbH, ein Joint Venture der deutschen Internetunternehmen Böttcher Hinrichs AG, Netzpiloten AG und noDNA AG. Am 4. Juli dieses Jahres schwebte Jackie Strike auf einer holographischen Folie in Hürth bei Köln vor den Nasen internationaler Journalisten, um offiziell ihre Kandidatur bekannt zu geben: "Heute vor 224 Jahren erklärten unsere Vorfahren die Unabhängigkeit. Wir tun heute virtuell dasselbe. Die Demokratie hat eine digitale Zukunft. Ich danke Gott für das Internet. Es verändert unser politisches Leben."

Jackie Strike for President? Fast. Was mit der Strike-Bewegung beabsichtigt ist, ist die Etablierung der Jackie-Site als ein Portal der Kommunikation und Information. "Die Website möchte informieren und zugleich involvieren, um Politik für jedermann ansprechend und zugänglich zu gestalten", erläutert Christopher Goold, Wahlkampfmanager von Jackie Strike in Deutschland. So kann sich jeder auf die Homepage einklicken, um Jackie kennen zu lernen und sie bei ihrem Wahlkampf zu unterstützen. Tut man das, sollte das Ziel sein, so viele Freunde wie möglich zu finden, die dann auch Jackies Freunde werden. Dafür gibt es Punkte. Wer die meisten Punkte hat, wird zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten erkoren. Jackie Strike ist eine humanitäre Person mit christlichen Zügen. Eine Mutter Maria der Moderne. Jemand der mit allen spricht. Sie kämpft für die Gleichberechtigung der Frau, für ein freundliches, sicheres und sauberes Amerika, für eine bessere Welt. Vielleicht hat Amerika gerade das gebraucht.

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