Zeitung Heute : Neue Rahmenlehrpläne für Sek I: Umgang mit den Medien steht im Fordergrund

Uwe Schlicht

Wer heute neue Lehrpläne für den Schulunterricht vorlegt, muss zugleich auf mehrere Herausforderungen reagieren: im Fach Deutsch auf die neue Rechtschreibung, in Geschichte und politischer Bildung auf den Rechtsradikalismus und die Aufarbeitung von Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, und Gewalt. Wer eine Neugestaltung des Unterrichts in Mathematik und Naturwissenschaften plant, sollte an die international vergleichenden Schultests in Mathematik und Naturwissenschaften denken, die die OECD unter dem Stichwort TIMS organisiert hat. Das Ergebnis war für Deutschland niederschmetternd. Im Land der Dichter und Denker wurden nur durchschnittliche Ergebnisse erzielt, während die Asiaten und die Skandinavier es vormachten, wie erfolgreich ein neues Herangehen an Mathematik und Naturwissenschaften sein kann.

In den verschiedensten Fächern ist der Umgang mit den Medien, vor allem mit dem Computer zu üben. Im Deutschunterricht zum Beispiel kann man die Computerprogramme zum Training der neuen Rechtschreibung nutzen. Am Ende der zehnten Klasse sollen sich alle Schüler so viel Medienkompetenz angeeignet haben, dass sie sich im Internet zurechtfinden und selbst E-mails versenden können. Das sagte Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche bei der Vorstellung der Entwürfe für neue Rahmenlehrpläne in der Sekundarstufe I, also für die Klassen sieben bis zehn an Gymnasien, Gesamtschulen und Realschulen.

17 Rahmenlehrpläne sind es geworden, vom Oktober an stehen sie im Internet, damit die Lehrer, die das wollen, bereits mit den neuen Rahmenlehrplänen arbeiten können. Ansonsten ist zunächst eine breite Diskussion erwünscht, ehe die neuen Pläne von 2002 an verbindlich werden.

Neue Methoden

Im Rahmenplanentwurf für den Mathematikunterricht kann man bereits erkennen, dass die Lehren aus den TIMS-Untersuchungen gezogen werden. Da heißt es: "Mathematikunterricht ist nicht auf das Beibringen, Behalten, Reproduzieren und Anwenden von formalen Standardtechniken zu reduzieren." Die Methode, in Deutschland den weitaus größten Teil von Schülerarbeiten mit dem Üben von Routineverfahren ausfüllen, "ist fragwürdig". Notwendig sei vielmehr eine neue Aufgabenkultur, die unterschiedliche Zugänge zu mathematischen Lösungen erlaubt. Der Unterricht lebe auch von den Fehlern der Schüler, sofern mit den Fehlern produktiv umgegangen werde. Vor diesem Hintergrund jedenfalls soll der neue Mathematikunterricht nicht mehr auf "das schnelle Erreichen von Standardwegen und -lösungen ausgerichtet ... sein." Die Schüler sollten vielmehr angeregt werden, ihre eigenen Wege, Vorstellungen und Vorschläge für Lösungen einzubringen. Das sind genau die Ansätze, die in den Ländern angewandt werden, die besonders erfolgreich in Mathematik und Naturwissenschaften abgeschnitten haben.

Lebensnah soll an Erfahrungen der Schüler angeknüpft werden: Die Klasse unternimmt einen Ausflug mit dem Fahrrad und wertet diesen mathematisch aus: Das beginnt bei der Kalkulation der Kosten für die Anschaffung und Wartung eines Fahrrads und reicht bis zum Errechnen der Neigewinkel und Kurven.

Steffen Reiche hat sich mit der Neugestaltung der Lehrpläne viel vorgenommen. Der nächste Schritt werden neue Lehrpläne für die Primarstufe sein - also für die Grundschulen, die in Brandenburg von den Klassen eins bis sechs dauern. Dort steht dann die Absicherung des Unterrichts in der Begegnungssprache Englisch von der dritten Klasse an auf der Tagesordnung. Auch die Leistungsdifferenzierung in Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen in den fünften und sechsten Klassen der Grundschule stellt eine neue Herausforderung an die Lehrplangestaltung und an die Lehrer dar. Außerdem sind geänderte Lehrpläne für die Oberstufe zu erwarten.

Gespräche mit anderen Kultusministern

Mit dieser umfassenden Revision der Lehrpläne für die Primarstufe und die SeK. II kann es bis zum Jahr 2003/2004 dauern. Das liegt darin begründet, dass Reiche sich mit anderen Kultusministern über ein Kerncurriculum verständigen will. Es geht um einen Kanon an Wissen und Fähigkeiten, der an den Schulen für eine Bildung im Zeichen der Globalisierung verbindlich werden müsste. Mit sechs Kultusministern führt Reiche bereits Gespräche, und es spielt für ihn dabei keine Rolle, ob diese der SPD, der CDU oder den Grünen angehören. Es geht Reiche um eine neue Verständigung, nachdem der Ideologiestreit über die Bildung zwischen den Parteien beendet worden ist. So hat der Sozialdemokrat Reiche den sächsischen Kultusminister Matthias Rößler (CDU) aufgefordert, sich gemeinsam mit Brandenburg über einen solchen Bildungskanon an den Grundschulen zu verständigen. Noch vor sechs Jahren wäre das unter Ministern aus unterschiedlichen Parteien unmöglich gewesen, betonte Reiche.

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