Zeitung Heute : Neue Rathausstraße bringt Anwohner in Fahrt

Der Tagesspiegel

Mitte. Vor ein paar Tagen fanden die Bewohner der Rathausstraße eine ziemlich beeindruckende Fotomontage in ihren Briefkästen. Sie stammte von den Grünen, trug den Titel „Senat will Autolawine vor Ihrer Haustür!“ und zeigte einen dicken Stau in der heutigen Fußgängerzone vor den Rathauspassagen. Entsprechend gut besucht war der Informationsabend zur Verkehrsplanung am Alex, zu dem Senat und Bezirk am Mittwoch ins Rote Rathaus geladen hatten.

Während viele Anrainer sich mit der geplanten Straßenbahn vor ihrer Haustür Zähne knirschend abfinden, bringen die erst vor kurzem bekannt gewordenen Senatspläne zum autogerechten Ausbau von Rathaus- und Gontardstraße sie zur Weißglut. „Für die Brunnen haben sie kein Geld, aber für diesen Schwachsinn reicht es“, empörten sich die Nachbarn. Da half es wenig, dass ein Gesandter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine Skizze mit kleinen Autos unter ausladenden Baumkronen auf den Projektor legte und den 21,5 Meter breiten Gehweg vor den Passagen pries. Die Grünen-Bezirksstadträtin Dorothee Dubrau konterte mit einem anderen Bild, auf dem der Gehweg von einer Radfahrspur geteilt ist und nur noch halb so breit erscheint.

Der Senat begründet seine Pläne vor allem mit der notwendigen Anbindung eines künftigen Wohn- und Geschäftsgebäudes auf dem C&A-Grundstück zwischen Bahnhof und Fernsehturm. Auch sei die Belieferung der Geschäfte in den Passagen problematisch, weil die rückseitigen Zufahrten zu eng für große Lastwagen sind.

Was die Diskussion im Rathaus allerdings nicht zutage förderte: Die Chancen für einen Ausbau nach den Vorstellungen des Senats stehen offenbar schlecht. Aus beiden Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus ist Protest zu vernehmen. Christian Gaebler, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, betrachtet den Ausbau als persönliches Steckenpferd von Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Das Abgeordnetenhaus könne die Finanzierung blockieren: „Da muss Herr Stimmann sehen, wie er das bezahlt.“ Ähnlich äußert sich Gaeblers PDS-Kollegin Jutta Matuschek: Stimmann sei „stur und überhaupt nicht kompromissbereit“. Ein Mann, der seit 1970 über den Rathauspassagen wohnt, schlug vor: „Wenn Stimmann buddeln will, soll er das an der Heerstraße oder sonstwo machen. Aber nicht bei uns.“ obs

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