Zeitung Heute : Neue Spiele spielen

Andreas Austilat

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

Nicht einmal mehr eine Woche, dann sind große Ferien. Dann wollen die Kinder unterhalten sein, immerzu und andauernd. Was macht man da? Spielen, logisch, sind ja Kinder.

Damit fangen die Probleme an. Kinder sind ziemlich konservativ – was sie nicht kennen, dazu haben sie erst einmal keine Lust. Schade, denn was sie kennen, dazu habe ich keine Lust – also, kein „Memory“ und auch kein „Mensch ärger dich nicht“. Außerdem können sie nicht so gut verlieren. Was die Sache nicht einfacher macht, wenn man zum Beispiel mit zwei Kindern spielt. Denn, eines wird sicher verlieren.

Damit jetzt keine falschen Erwartungen geweckt werden: Dies hier wird kein Erziehungsberater, dies wird ein richtiger Tipp. Wir haben nämlich zwei neue Spiele ausprobiert. Beide haben etwas gemeinsam: Sie sind ab acht Jahren spielbar, und es geht um Edelsteine, die gesammelt werden müssen. Das sieht nicht nur gut aus, es kommt auch – Entschuldigung, aber so ist das nun einmal - gerade bei Mädchen gut an. Das ist schon mal die halbe Miete, wenn man Neuerungen durchsetzen will.

Erste Runde: „Diamant“. Knallhartes, schnelles Zocker-Spiel mit Karten. Das Prinzip ist einfach, mit jeder neuen aufgedeckten Karte droht das sofortige Ende. Es geht also nur um das Eine: Wer traut sich was? Der Große hat gewonnen, die Kleine verloren. So etwas geht normalerweise nicht gut aus, führt im Gegenteil zu wechselseitigen Verwünschungen. Diesmal nicht, weil der Große wegen seiner übervorsichtigen Weichei-Strategie gewonnen hat. Solche Niederlagen sind auch für Achtjährige leichter zu ertragen, sie können sich wenigstens im Glanz ihrer Tollkühnheit sonnen. Punkt für „Diamant“.

Zweite Runde: „Niagara“. Sehr schönes Spiel in Drei-D-Optik mit ausgefuchster Spielmechanik. Darin liegt auch die einzige kleine Schwäche: Man braucht schon etwas Geduld, bis jeder kapiert hat, worum es geht. Aber, auch Achtjährige beherrschen die kompliziertere, dafür abwechslungsreichere Spielmechanik. Denn, sensationelles Ergebnis - die Kleine hat ziemlich überzeugend gewonnen. Ach, mein Mädchen, sie ist so schlau.

„Diamant“, Schmidt-Spiele, 3-8 Teilnehmer ab 8 Jahren. Circa 20 Minuten. Circa 28 Euro.

„Niagara“, Zoch Verlag, 3 – 5 Teilnehmer ab 8 Jahren, 30 bis 45 Minuten. Circa 30 Euro.

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