Zeitung Heute : Neue Spieler auf der Bühne

Ingo Dahlern

Die Frage, was eigentlich ein Off-Roader ist, lässt sich tagtäglich schwerer beantworten. Denn die Bedingung, auch abseits ausgebauter Straßen beweglich zu sein, erfüllen immer mehr Fahrzeuge ganz unterschiedlicher Art. Dabei wird sich die früher einmal sehr klare Trennungslinie zwischen Limousinen für ausgebaute Straßen und typischen Geländewagen immer unschärfer.

Denn neben den klassischen Geländewagen, die ursprünglich Arbeitspferde für den härtesten Einsatz auch abseits fester Wege oder aber Militärfahrzeuge sind, haben sich inzwischen ganz neue Fahrzeugklassen herausgebildet. Dazu beigetragen hat, dass gerade bei uns die Mehrzahl der mit anspruchsvoller Allrad- und Geländetechnik ausgestatten Allradler meist auf befestigten Straßen gefahren wird. Dafür aber ist das Angebot an spezieller Geländetechnik in solchen Fahrzeugen schlicht zu groß. Gefragt statt aufwändiger und entsprechend teurer Allradtechnik ist allerdings hoher Fahrkomfort auf ausgebauten Straßen, was die mit Starrachsen und Leiterrahmen ausgestatteten Klassiker kaum boten. Und auch am ebenso gefragten Ausstattungs- und Bedienungskomfort, wie ihn die Mehrzahl der Nutzer solcher Fahrzeuge wünschen, mangelte es den oft sehr ruppigen und spartanischen Klassikern.

So entwickelten sich schon relativ früh neben den reinen Arbeitspferden Edel-Geländewagen, zu deren frühen Vertretern zum Beispiel der soeben erst rundum erneuerte Range Rover gehört. Inzwischen haben auch andere Hersteller klassischer Geländewagen wie Toyota, Mitsubishi, Nissan und Isuzu in Fernost sowie Chevrolet, Ford und Chrysler/Jeep in den USA und Mercedes-Benz in Europa solche Edel-Versionen auf die Räder gestellt, die innen dem Komfort von Oberklasse-Personenwagen bieten und dazu einen auf ausgebauten Straßen hohen Fahrkomfort - Autos, die sich als komfortable Zugfahrzeuge und Reisewagen für große Touren anbieten - Fahrzeuge allerdings auch, die technisch vollwertige Geländewagen sind.

Für diese Technik besteht allerdings nur begrenzter Bedarf. So entstand neben diesen Edel-Geländewagen eine neue Klasse von ebenso edlen aber in ihrer Geländetechnik ein wenig abgespecktem Fahrzeugen. Das bedeutet nicht ganz so aufwändige Antriebsstränge mit speziellen Geländeuntersetzungen und einer Vielzahl von von Differenzialsperren. Zwar kann man mit solchen Fahrzeuge, wie zum Beispiel dem Land Rover Freelander, der M-Klasse von Mercedes-Benz, dem BMW X5, dem Lexus RX 300, dem Opel Frontera, dem Kia Sorento, dem Nissan X-Trail, dem Ford Maverick und seinem Schwestermodell Mazda Tribute oder dem Honda CR-V auch abseits befestigter Straßen noch recht gut vorankommen - doch für extremes Gelände sind diese Autos nicht gebaut.

Eine ganz eigenen Klasse von Allradlern sind schließlich die sogenannten Freizeitfahrzeuge. Das sind Autos, die zwar über vier angetriebene Räder verfügen und die auch in der Optik von klassischen Geländewagen auftreten, die aber trotz ihrer kantigen Silhouette primär für den Einsatz auf ausgebauten Straßen gedacht sind. Hierzu gehören solche Modelle wie der Toyota RAV4, der vor allem ein Personenwagen mit Off-Road-Optik ist und dessen zweite Generation nun auch als reiner Fronttriebler verfügbar ist. Weitere Beispiele für diese Art von Fahrzeugen sind der drei- und fünftürige Honda HR-V, der sehr kompakte Suzuki Jimny, der Hyundai Santa Fe und der Nissan X-Trail.

Eine ganz neue Kategorie von Fahrzeugen mit ausgeprägten Off-Road-Eigenschaften entwickelte sich ausgehend von reinen Personenwagenmodellen. In diese Reihe gehört zum Beispiel der inzwischen bereits zu den Klassikern dieser Fahrzeugkategorie zählende Subaru Forester. Der macht bei leichten Ausflügen ins Gelände auch abseits befestigter Straßen eine überraschend gute Figur, hat auch ausreichend Bodenfreiheit für zerfurchte Waldwege und bleibt auch nicht gleich auf dem ersten Acker stecken. Aber seine besten Qualitäten zeigt der Forester auf der Straße, wo er sich, vor allem als Turbo wie ein flotter Sportwagen bewegen lässt. Verwandt mit dem Konzept dieses Autos ist auch der Volvo V70 Cross Country. Seine Basis ist ein komfortabler Personenwagen-Kombi. Eine für den etwas gröberen Einsatz vergleichbare Lösung hat auch Audi mit dem Allroad Quattro entwickelt.

Nicht jedes geländegängige Fahrzeug lässt sich problemlos in die hier grob skizzierten Klassen einordnen. Da gibt es zum Beispiel extrem kompakte Geländewagen, wie den Mitsubishi Pajero Pinin, den kompakten Daihatsu Terios, den etwas größeren Suzuki Vitara oder den Klassiker Jeep Wrangler oder auch solche Autos wie den Renault Kangoo 4x4. Und eine besondere Art von Off-Roadern sind die großen amerikanischen Allradler, wie etwa der Chevrolet Tahoe. Eine vor allem auf dem amerikanischen Markt bersonders beliebte Variante sind schließlich die dort weit verbreiteten Pickups mit Allradantrieb.

Und schließlich gibt es ganz neue Spieler im Programm - mit dem vor einigen Monaten vorgestellten Hyundai Terracan einen überzeugenden Geländeprofi sowie dem in Kürze kommenden Kia Sorento und dem Volvo XC 90 zwei neue SUV-Variante.

Und ganz neue Dimensionen eröffnen der inzwischen so gut wie serienreife Porsche Cayenne und sein Schwestermodell Volkswagen Touareg. Diese Fahrzeuge vereinigen die Eigenschaften einer hochwertigen Limousine mit denen eines leistungsstarken Sportwagens und denen eines anspruchsvollen Geländewagens. Eine von auch in anderen Fahrzeugklassen immer öfter auftretenden Kombinationen bislang klar voneinander abgegrenzter Fahrzeugkategorien, für die sich immer öfter der Begriff Crossover verwendet wird. Ein weiteres Beispiel dafür, dass das Off-Road-Spektrum immer schillernder und zusehends vielseitiger wird.

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