Zeitung Heute : Neue Spreepark-Saison fraglich: Verhandlungen vor dem Scheitern

Der Tagesspiegel

Von Steffi Bey

Treptow. In Berlins einzigem Vergnügungspark im Plänterwald werden sich in diesem Jahr wahrscheinlich doch keine Fahrgeschäfte drehen. Noch immer konnten sich der potenzielle Investor Rolf Schmidt und der Liegenschaftsfonds, der das Grundstück im Auftrag des Landes Berlin verwaltet, nicht über die Modalitäten des Pachtvertrages einigen.

„Mein Optimismus ist dahin“, sagte gestern der Beauftragte der Spreepark GmbH & Co KG, Hans-Ludwig Trümper. Der Rechtsanwalt, der sich im Namen des Stuttgarter Schaustellers Schmidt, öffentlich zu diesem Thema äußert, macht deutlich, dass der Vertrag bis spätestens Ostern hätte zustande kommen müssen. Denn sonst sei die Saison viel zu kurz und lohne sich nicht mehr. Aber nach dem aktuellen Stand der Verhandlungen sehe er schwarz. „Das Geschäft ist nur wirtschaftlich, wenn im Mai der Spielbetrieb beginnt“, erklärt Trümper.

Ursprünglich wollte der Investor Rolf Schmidt am Dienstag nach Ostern mit Volldampf die diesjährige Saison vorbereiten. Trümper sagt, mit „vereinten Handwerkskräften“ wären die Fahrgeschäfte dann auch bis zum 1. Mai spielbereit und TÜV-geprüft gewesen. Aber dieser immer wieder genannte Eröffnungstermin des Vergnügungsparks wird aller Voraussicht nach ins Wasser fallen. Das vermuten auch die etwa zehn Kleinunternehmer, die seit Jahren auf dem Spreepark Imbisse oder Spielgeschäfte betreiben.

„Hier hat sich bislang noch niemand sehen lassen, und die Fahrgeschäfte technisch untersucht“, berichtet ein Gewerbetreibender. „Wir haben leider das Gefühl, in diesem Jahr werden sich weder Riesenrad noch Loopingbahn drehen“, vermuten die Verbliebenen. Ohnehin wäre die Saison kürzer als in den vergangenen Jahrzehnten gewesen: Denn traditionell öffneten sich die Tore im Plänterwald jedes Jahr eine Woche vor Ostern, wie ein Imbissverkäufer bestätigt.

„Wir verhandeln zurzeit noch mit allen Beteiligten“, erklärt die Pressesprecherin des Liegenschaftsfonds, Anette Mischler, kurz. Konkreter könne sie nicht werden. Dennoch räumt auch der Liegenschaftsfonds ein, dass eine Vertragsunterzeichnung vor Ostern unrealistisch sei. Wie berichtet, sollte dem Stuttgarter Schausteller auf der Grundlage eines einjährigen Pachtvertrages zunächst das Grundstück im Plänterwald einschließlich der darauf befindlichen Fahrgeschäfte überlassen werden.

Rolf Schmidt müsste dafür einen Pachtzins von insgesamt 1,55 Millionen Euro zahlen. Längerfristig will der Liegenschaftsfonds aber den Verkauf des Grundstücks vorbereiten. Über den Preis konnte bislang aber keine Einigung erzielt werden. Rechtsanwalt Trümper hatte deshalb eine Überarbeitung des Pachtvertrages gefordert. Schließ lich sei auch das Risiko des Investors höher, begründete er. Zur Erinnerung: Die Spreeparkbetreiberin Pia Witte, die sich Mitte Januar mit ihrem Mann Norbert und den fünf Kindern nach Peru absetzte, hinterließ einen Schuldenberg: rund 10 Millionen Euro bei der Bank und rund 700000 Euro beim Liegenschaftsfonds. Schmidt hat sich bereit erklärt, einen Teil der Schulden zu übernehmen, fordert aber auch ein Entgegenkommen der großen Gläubiger. „Was uns bislang vorgelegt wurde, ist unakzeptabel“, sagt Trümper. So hätte der Liegenschaftsfonds von Schmidt ein notariell beglaubigtes Kaufangebot verlangt, in dem er sich verpflichtet, für das Grundstück mindestens 2,5 Millionen Euro zu zahlen. Das würde nur dem Land Berlin eine Sicherheit bieten, erklärt der Rechtsanwalt, aber für Schmidt sei das Risiko zu groß. Sollte die diesjährige Saison wirklich platzen, will Trümper für die Spreepark GmbH die Insolvenz beantragen.

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