Zeitung Heute : Neue Stärke für den Berliner Ostermarsch

Der Tagesspiegel

Von Holger Wild

Sie protestierten gegen das Vorgehen der USA und ihrer Verbündeten in Afghanistan, gegen einen Krieg gegen den Irak, gegen die Teilnahme der Bundeswehr an internationalen Militäreinsätzen und gegen die israelische Politik in den besetzten Gebieten. Mehrere 1000 Menschen demonstrierten am Montag auf dem Berliner Ostermarsch zwischen Alexander- und Pariser Platz. „Wir sagen Nein zu militärischen Einsätzen weltweit“, lautete das Motto der Veranstaltung, die von der Berliner Friedenskoordination organisiert wurde.

Mit – wie die Veranstalter zählten – rund 7000 Teilnehmern aller Altersgruppen war der diesjährige Ostermarsch erheblich besser besucht als der im vergangenen Jahr. Damals waren keine tausend Teilnehmer zusammengekommen. „Je größer die Gefahr, desto bedeutender ist unsere Bewegung“, sagte Laura von Wimmersperg von der Friedenskoordination. Allerdings seien die Zeiten derzeit so gefährlich, dass eigentlich noch mehr Menschen hätten kommen müssen. Der Protest richtete sich insbesondere gegen Atomraketen. Das ist „unser alter Kampf, der jetzt neu und noch heftiger geführt werden muss“, betonte von Wimmersperg.

„Wir sind nicht bereit, in einer Welt im permanenten Kriegszustand zu leben“, hatte es zuvor in einem Aufruf für die Demonstration geheißen. Der Marsch begann kurz nach 13 Uhr auf dem Alexanderplatz und führte über die Straße Unter den Linden, Charlottenstraße, Friedrichstraße und wieder Unter den Linden zum Brandenburger Tor, vor dem gegen 16 Uhr Lieder und Gedichte gegen den Krieg und eine Bild-Ton-Kollage den Schlusspunkt setzten. Gut ein Viertel der Marschierer waren Palästinenser, die durch regelmäßig skandierte Slogans auf sich aufmerksam machten: „Scharon ist: ein Mörder und Faschist“ oder „Kindermörder Israel“. Einer trug eine Fahne der Terrororganisation Hamas, ein anderer hielt – auf einem Ostermarsch – den Koran in die Höhe.

Den stärksten Beifall , und keineswegs nur von Palästinensern, gab es auch während der Kundgebung auf der Weidendammer Brücke für die Forderung, Israel solle sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen. Laut wurde es auch an der Ecke Unter den Linden / Neustädtische Kirchstraße, als vor allem die Palästinenser in Sichtweite der amerikanischen Botschaft die USA als „internationale Völkermord-Zentrale“ schmähten. Es blieb jedoch friedlich.

Den Anfang des Zuges bildete ein Trüppchen von Anarchisten, deren schwarz-rotes Transparent für „Sein statt Haben“ warb. Die DKP war mit mehreren Fahnen am Ort, ebenso die Marxisten-Leninisten der MLPD und die „PDS-Charlottenburg“ – die einzige Ortsgruppe, die die Sozialisten beim Ostermarsch vertrat. Ebenso fehlten die Fahnen und Transparente der Grünen, der Falken, der Jusos und der SPD. Statt dessen liefen die Globalisierungskritiker von „attac“ mit und einige Buddhistinnen, die bekannten: „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Friede ist der Weg.“

Ein Schalmeien-Orchester spielte Arbeiterlieder, weiter hinten sangen Frauen zur Gitarre „Give Peace a Chance“. Pappschilder mit „Give Bush a Push“ waren ebenso zu sehen wie ein Transparent mit der Parole „Tucholsky!“ Doch nicht für Satire wollte seine Trägerin sich einsetzten, vielmehr auf Tucholskys Satz „Alle Soldaten sind Mörder“ verweisen, den zu formulieren sie sich aus Furcht vor einem Verfahren jedoch nicht getraut hatte.

Eine Gruppe Koreaner sprach sich gegen die Privatisierung eines Kraftwerks in ihrer Heimat aus und gegen die „Spannungspolitik“ der USA in der Heimat. Eine Frau verkaufte lila Luftballons, auf denen eine Taube den Bundesadler fesselt. Was sie damit sagen wolle? „Dass auch in Deutschland Frieden herrschen soll.“ Ist dem denn nicht so? „Ich habe wirklich Angst davor, was auf uns zukommt.“

Eine Jugendliche trug ein Pappschild mit den Worten „Der Terror hat viele Gesichter“. Abgebildet waren jedoch nur drei Konterfeis des US-Präsidenten George W. Bush.

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