Zeitung Heute : Neue Urlauberrekorde für den Sommer erwartet

Hubert Kahl

Wenn die Bewohner der spanischen Ferieninsel Mallorca an den kommenden Sommer denken, beschleicht sie ein Gefühl der Bedrückung. Für die Hochsaison wird ein Urlauberansturm erwartet, der die Rekordmarke des Vorjahres noch in den Schatten stellen wird. Für die Mallorquiner eine schlechte Nachricht.

Nach einer Prognose der spanischen Fremdenverkehrsämter wird die Zahl der deutschen Urlauber auf den Balearen in diesem Sommer um etwa drei Prozent steigen. Im vorigen Jahr hatten 4,5 Millionen Deutsche die Inselgruppe besucht. Bei den Briten, die 1999 mit 3,5 Millionen Urlaubern an zweiter Stelle rangierten, wird wegen des starken Pfundes gar eine Steigerung von zehn Prozent erwartet. Sie wäre wahrscheinlich noch höher, wenn die britischen Reiseveranstalter ihren deutschen Konkurrenten mehr Hotelplätze abgejagt hätten.

Den Mallorquinern ist bei diesen Zahlen gar nicht wohl zumute. Schon im vorigen Sommer war ihre Insel des Ansturms kaum Herr geworden. Die Müllverbrennung, die Elektrizitäts- und Wasserwerke arbeiteten an der Grenze ihrer Kapazität. Auf Grund der anhaltenden Trockenheit wird für diesen Sommer ein Defizit von 15 000 Kubikmeter Wasser pro Tag erwartet. Bisher weiß man nicht, wie man den Bedarf decken soll.

"Die Tourismus-Prognosen sollten uns alarmieren", schreibt die Zeitung "Diari de Balears". "Was geschieht mit der Wasserversorgung? Wohin sollen wir all die Abfälle tun? Können wir auf den überlasteten Straßen überhaupt noch Auto fahren?" Wenn die Prognosen zutreffen, wird die Zahl der 405 000 Hotelbetten auf den Balearen in der Hochsaison nicht ausreichen. Dann müssten wahrscheinlich einige Urlauber in "illegalen" - nicht registrierten - Herbergen untergebracht werden.

Die Regierung der Balearen vertritt die Linie, dass im Sommer die Kapazitäten erschöpft sind und der Archipel eine weitere Steigerung der Urlauberzahlen nicht verkraften kann. Bisher fand sie aber kein Mittel, den ständig steigenden Zustrom einzudämmen. Dazu soll vielleicht die Urlaubssteuer beitragen, die demnächst von allen Touristen erhoben werden soll. Es ist von Beträgen zwischen 1300 und 3900 Peseten (7,8 und 23,5 Euro beziehungsweise 16 und 46 Mark) pro Kopf die Rede. Denn wenn der Trend anhält, könnte der Tourismus auf Mallorca bald ein Opfer seines eigenen Erfolges werden. Die Stimmung in der einheimischen Bevölkerung, so wird befürchtet, könnte eines Tages umschlagen und sich gegen die Urlauberbranche richten. "Der Tourismus ist die Grundlage unserer Wirtschaft. Dies sollte auch so bleiben. Wenn die Bürger ihn aber nicht mehr als etwas Positives empfinden, kann eine Dynamik mit verheerenden Folgen einsetzen", warnt "Diari de Balears".

Vor einer Woche hatte es kurzzeitig so ausgesehen, als sei der Trend zu immer neuen Rekordzahlen gebrochen. Die Buchungen von Ferienreisen auf die Balearen seien um ein Prozent zurückgegangen, teilte der Präsident des Internationalen Verbandes der Reiseveranstalter (IFTO), Martin Brackenbury, mit. Bei den Deutschen betrage der Rückgang sogar zehn Prozent. Aber Regierung und Hoteliers wiesen diese Zahlen als unglaubwürdig zurück. "Die Veranstalter haben nur eine alte Taktik angewendet. Sie wollten mit diesen Zahlen die Hoteliers erschrecken, damit diese ihre Preise herabsetzen", schreibt "Diario de Mallorca".

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