Zeitung Heute : Neue Wege beim Schutz vor Software-Piraterie

Markus Rimscha

Nun ist es also klar: Die neue Windows-Version 2000 soll "verdongelt" werden. Aber was bedeutet das eigentlich? Ein Dongle ist ein Hardware-Teil, mit dessen Hilfe eine bestimmte Anwendung erkennen kann, ob sie lizensiert wurde oder ob sie als Raubkopie betrieben wird. Der Grundgedanke hierbei ist, dass es zwar einerseits relativ einfach ist, ein Programm zu kopieren. Andererseits ist es kaum möglich - schon gar nicht mit vertretbarem Aufwand - eine Hardware-Komponente nachzubauen, die quasi als fest montierter Zugangscode funktioniert.

Soweit die Theorie. Im täglichen Leben stellen sich Dongles aber als durchaus problematisch dar. Schließlich muss das magische Gerät irgendwo am Rechner angeschlossen werden. Üblich sind hier die parallele Schnittstelle - an der üblicherweise der Drucker angeschlossen wird - oder der USB-Eingang für den Universal Serial Port-Anschluß. Damit ist aber leider schon eine Schnittstelle blockiert, obwohl beispielsweise gerade eine Parallelschnittstelle in aller Regel für den Drucker benötigt wird und ein eventuell vorhandener zweiter Anschluss oft dem Scanner vorbehalten bleibt. Die meisten Dongles sind deshalb auch so ausgeführt, dass das Druckerkabel am anderen Ende des Gerätes angeschlossen wird. Warum hat der Privatanwender von diesem durchaus nicht neuen Konzept bisher so wenig gehört? Bis dato war der Schutz von Software gegen das Raubkopieren mit Hilfe von Dongles ein Vorgehen, das eher Profianwendungen wie etwa das Desktop-Publishing-Programm QuarkXPress geschützt hat. Dongles werden aber selbst hier als störend empfunden.

Auch alternative technische Möglichkeiten sind nicht einfach umzusetzen. So kann etwa die Netzwerkkarte - die über eine eindeutige Kennung verfügt - als Quasi-Dongle verwendet werden. Doch nicht jeder Privatanwender verfügt überhaupt über eine Netzwerkkarte. Auch mit Blick auf die Betriebssicherheit entstehen Probleme. So kooperieren die Treiber, die mit einem Dongle kommunizieren, nicht immer korrekt mit dem Rest des Systems. Gerade hier sollte mit Blick auf Windows 2000 aber zu hoffen sein, dass derartige Schwierigkeiten nicht entstehen. Schließlich handelt es sich nicht um eine beliebige Anwendung, sondern um das Betriebssystem selbst. Auch aus Sicht der Software-Hersteller werden Dongles keinesfalls als Allheilmittel gegen Softwarepiraterie gesehen. Erstens gibt es hier Mittel und Wege, den gewünschten Kopierschutz zu umgehen. Zweitens ist die Herstellung dieser Bauteile nicht eben billig, so dass verschiedene Unternehmen aus reinen Kostenüberlegungen auf Dongles verzichten.

Für die Dongle-Hersteller selbst bedeutet Microsofts Ankündigung noch lange nicht das Herandämmern goldener Zeiten. Erstens ist noch unklar, wie die Windows-Variante technisch genau aussehen wird. Fest steht nur, dass die Möglichkeit, Windows zu installieren, auf den Computer beschränkt bleiben soll, mit dem die Lizenz erworben wurde. Andererseits hat ein Computer eben nur eine beschränkte Anzahl von Anschlüssen, die überhaupt mit einem Dongle belegt werden könnten und in aller Regel - zumindest bei der Ausstattung eines Durchschnittsrechners - auch schon für andere Peripherie-Geräte verplant sind.

Es ist zwar ein Novum, dass mit Windows nun ein Programm Dongle-geschützt werden soll, das eben nicht nur von Spezial-Anwendern, sondern auch von normalen Benutzer eingesetzt wird. Zumindest bei den bisherigen Varianten ist es aber schon rein technisch eher unwahrscheinlich, daß dieses Beispiel bei den Herstellern von vergleichsweise gängigen Anwendungen Schule macht.

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